18.09.26 – ZVEI-Entscheider-Panel im September 2026

Massive Bürokratie, unflexibler Arbeitsmarkt und hohe Kosten sind lähmende Investitionsbremsen

Die massive Bürokratie und ein überregulierter, unflexibler Arbeitsmarkt hindern eine große Mehrheit der Unternehmen der Elektro- und Digitalindustrie daran, mehr am Standort Deutschland zu investieren. Das ist das Ergebnis des aktuellen ZVEI-Entscheider-Panels.

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„Wer mehr industrielle Stärke in Deutschland und Europa will, der muss uns machen lassen!“, sagt ZVEI-Präsident Daniel Hager. © ZVEI / Alexander Grüber

 

85 % der befragten Branchen-Entscheiderinnen und -Entscheider gaben an, dass zu viel Bürokratie, regulatorische Unsicherheit und zu lange Genehmigungsdauern Investitionen im Weg stehen. Drei Viertel (75 %) der Befragten fühlen sich von Arbeitsmarktrestriktionen wie zu starren Arbeitszeiten oder einem zu restriktiven Kündigungsschutz ausgebremst. Hohe Standortkosten sind ein weiteres bedeutsames Thema: Jeweils mehr als die Hälfte gibt zu hohe Lohnkosten (57 %), die hohen Kosten für Strom und Energie (53 %) sowie die hohen Steuern und Abgaben (53 %) an.

„Diese Umfragewerte sind ein Alarmsignal! Unsere Unternehmen wollen mehr investieren, sie können investieren, sie wollen das Land voranbringen – aber hausgemachte Standortbremsen fesseln die Dynamik unserer Branche“, sagt ZVEI-Präsident Daniel Hager. „Wer mehr industrielle Stärke in Deutschland und Europa will, der muss uns machen lassen! Unser Appell an die Politik: Befreien Sie uns von Bürokratie, schaffen Sie schnellere Genehmigungen, sorgen Sie endlich für wettbewerbsfähige Strompreise und einen dynamischen Arbeitsmarkt, der Leistungsanreize setzt, statt sie zunichtezumachen.“

Fast alle Befragten (98 %) befürworten die verstärkte heimische Entwicklung und Produktion von Schlüsseltechnologien wie Halbleiter oder Batterien. Mehr als die Hälfte (51 %) unterstützt dieses Ziel auch dann, wenn damit wirtschaftliche Belastungen verbunden sind. Weitere 46 % befürworten eine stärkere heimische und europäische Wertschöpfung, sofern die hiermit verbundenen Belastungen in einem überschaubaren Rahmen bleiben. „Die Resilienz unseres Standorts ist für uns keine abstrakte Debatte. Wir wollen Deutschland und Europa souveräner und unabhängiger machen. Die Unternehmen der Elektro- und Digitalindustrie sind bereit, weiter Verantwortung für den Standort zu übernehmen. Aber sie erwarten zu Recht, dass die Politik die Leitplanken für diesen Einsatz auch richtig setzt“, kommentiert Hager.

Die Sicherung fairer Wettbewerbsbedingungen für Produktionsstandorte in Deutschland und Europa im internationalen Wettbewerb ist für die Unternehmen der Elektro- und Digitalindustrie zentral. Um mehr Fairness im weltweiten Wettbewerb zu schaffen, fordern 60 % der Befragten von der EU-Handelspolitik schnellere Anti-Dumping- und Anti-Subventionsverfahren. „Freier Handel darf nicht heißen, dass Europa naiv zusieht, wie andere Länder mit massiven Staatshilfen und künstlichen Preisvorteilen Fair Play vorsätzlich untergraben“, sagt Hager. „Wenn andere Länder systematisch Wettbewerbsbedingungen verzerren, muss Europa systematisch dagegenhalten, und zwar schnell und unbürokratisch. Wir brauchen zudem eine Beweislastumkehr bei offensichtlichen Verzerrungen und Ausgleichszölle, die den unfairen Vorteil Dritter wirklich wettmachen. Europa muss mit gleichgesinnten Partnern Allianzen für offene und faire Märkte schmieden. Sonst können wir weiter viel über Resilienz reden, verlieren aber gleichzeitig die Produktion, die wir dafür unbedingt brauchen.“

Methodik: Die ZVEI-Befragung wurde im September 2026 durchgeführt. Die Daten basieren auf 101 Rückmeldungen.

www.zvei.org