29.08.25 – Wafios Engineering
Screw Independent: Warum ein Unternehmen seine Schrauben jetzt selbst fertigt
Unternehmen müssen davon ausgehen, dass in den kommenden Jahren mit erheblichen Lieferketten-Störungen zu rechnen ist. Ein Kunde von Wafios Umformtechnik, der ungenannt bleiben möchte, hat für sich eine Lösung gefunden.
Vor der Pandemie war das Thema Lieferketten für viele Unternehmen kaum präsent. Doch nicht nur Gesundheitskrisen, sondern auch Kriege, Cyberangriffe und volatile Rohstoffmärkte setzen die globalen Liefernetzwerke unter Druck. Besonders schmerzlich wurde dies, als selbst einfachste C-Teile, wie Schrauben, fehlten und komplette Lieferverpflichtungen nicht mehr erfüllt werden konnten.
Achillesferse Schrauben
Ein Beispiel aus der Praxis zeigt, wie verwundbar Unternehmen in diesem Bereich sind. Ein Wafios-Kunde, der bisher Schrauben als günstiges C-Teil von externen Lieferanten bezogen hatte, sah sich mehrfach mit Lieferausfällen konfrontiert. Zum Teil fehlten elementare Verbindungselemente, sodass Baugruppen nicht ausgeliefert werden konnten und Lieferverpflichtungen unerfüllt blieben , mit erheblichen wirtschaftlichen und weiteren Reputationsschäden. Die wiederkehrenden Engpässe, gepaart mit stark schwankender Produktqualität bei zugekauften Schrauben, führten zu einem Umdenken. Das Ziel: mehr Unabhängigkeit, eine höhere Fertigungstiefe und gleichbleibende Produktqualität — auch um den Preis höherer Stückkosten.
Eigenfertigung trotz Mehrkosten
Das Projekt zwischen Wafios und seinem Kunden zur Eigenfertigung von Schrauben wurde intensiv diskutiert. Besonders der Aspekt der höheren Kosten pro C-Teil wurde kritisch betrachtet, schließlich schien es betriebswirtschaftlich zunächst widersprüchlich, ein günstiges C-Teil teuer selbst zu fertigen. Doch die Geschäftsführung setzte ein klares Zeichen: Die gewonnene Unabhängigkeit und Prozesssicherheit rechtfertigten den Mehrpreis. Die wichtigsten Argumente dabei:
Maximale Versorgungssicherheit: Eigene Fertigungskapazitäten machen unabhängig von globalen Lieferketten und Störungen aller Art
Vermeidung von Qualitätsproblemen: Schwankende Schraubenqualität aus dem Zukauf hatte zuvor immer wieder zu Problemen und zu intensiver Nacharbeit geführt. Mit der Eigenproduktion ist eine durchgängig konstante und sehr gute Qualität gewährleistet.
Erweiterung der Fertigungstiefe: Die Schraubenfertigung ermöglicht eine flexiblere und schnellere Produktentwicklung, da Sondergrößen und individuelle Anpassungen ohne externe Abhängigkeiten realisierbar sind.
Strategische Resilienz: In einem geopolitisch und wirtschaftlich unsicheren Umfeld wird die Unabhängigkeit zunehmend zum Wettbewerbsvorteil.
Dieses Praxisbeispiel zeigt: Was früher als betriebswirtschaftlicher Anachronismus galt — die Eigenfertigung einfacher C-Teile — entwickelt sich in Zeiten instabiler Lieferketten zu einer zukunftssicheren Strategie. Auch wenn die Stückkosten höher liegen, wiegt der Nutzen durch Versorgungssicherheit, konstante Qualität und Flexibilität deutlich schwerer.
Unternehmen, die frühzeitig in eigene Fertigungskapazitäten für bislang zugekaufte Produkte investieren, sichern sich langfristig entscheidende Vorteile in einem unsicheren Marktumfeld. Die Diskussion um Stückkosten tritt dabei zunehmend hinter strategische Überlegungen zurück — zumal die Abhängigkeit von externen Bezugsquellen immer häufiger zum kostspieligen Risikofaktor wird.
Info
Wafios Umformtechnik hat in den letzten vier Jahren mehrere Unternehmen bei der Umstellung von Zukauf auf Eigenfertigung beraten. Dazu werden Teilezeichnungen analysiert, Umformprozesse per Software simuliert und Versuchsreihen von Kundenteilen auf Wafios-eigenen Maschinen durchgeführt.