02.09.26 – Interview
Schirmer forciert Aluprofil-Bearbeitung
Schirmer versteht sich als Technologieführer für die Profilbearbeitung – auch bei Aluminium und Stahl. Im Interview erläutert Geschäftsführer Ludger Martinschledde, warum es jetzt an der Zeit ist, mit branchenübergreifender Technologie in neue Anwenderbereiche vorzustoßen.
Worin sehen Sie die Potenziale von Aluminium bzw. was trauen Sie dem Material in der Zukunft zu?
Ludger Martinschledde: Aluminium spielt eine Schlüsselrolle in der grünen Transformation und bei den Megatrends Leichtbau, Elektromobilität und kreislauffähiges Bauen. Die Kombination aus minimalem Gewicht, Vielseitigkeit, extremer Langlebigkeit und unendlicher Recyclingfähigkeit ohne Qualitätsverlust eröffnet dem Material großes Potenzial in zukünftigen Schlüsselindustrien.
Wo sieht Schirmer die Einsatzbereiche für seine Alu-Bearbeitungszentren jenseits von Fenster, Tür, Fassade?
Ludger Martinschledde: Schirmer-Durchlaufzentren bieten sich für alle Branchen an, in denen technisch anspruchsvolle Aluminium- oder auch Stahlprofile in hoher Varianz präzise und schnell bearbeitet werden müssen. Das ist zum Beispiel der Fall bei Spaceframe-Strukturen und Batterieträgern im Fahrzeugbau, bei der Fertigung von Stringern oder Zwischendecks in Flugzeugen oder beim Bau von Schienenwaggons. Wir fassen das gern unter Automotive, Aviation und Railway zusammen, aber es ist noch viel mehr. Wir bedienen auch Verarbeiter von Konstruktionsprofilen z.B. für den Maschinenbau, den Bereich Interior Design, Möbelhersteller und viele andere.
Wie lässt sich die Technologie, die Schirmer in der Kernbranche entwickelt hat, auf andere Branchen übertragen?
Ludger Martinschledde: Die Technologie ist am Material erprobt, das heißt wir bedienen diese neuen Branchen vielleicht heute noch nicht, sind aber fähig dazu, auch weil die Bauelemente-Branche sehr anspruchsvoll ist und eine hohe Teilevarianz aufweist. Weil wir auf kundenindividuelle Produkt- und Produktionsanforderungen abgestimmte Maschinenkonzepte aus einem Baukasten weitestgehend standardisierter Prozessmodule konfigurieren, können wir fein auf verschiedene Anwendungen skalieren und höchste Automatisierungsgrade mitgehen. Das unterscheidet den Maschinenbau von Schirmer von anderen Branchenunternehmen: Schirmer ist weder Sondermaschinenbauer noch Serienfertiger. Wir sind Lösungsanbieter – branchenübergreifend.
Mit welchen Argumenten begegnet Schirmer den besonderen Qualitätsanforderungen in der Automotive- oder Luft- und Raumfahrtbranche?
Ludger Martinschledde: Unsere hoch automatisierten Durchlaufzentren erreichen eine Präzision, die Werkzeugmaschinen schon jetzt sehr nah kommt. Wir unterscheiden uns beispielsweise dadurch, dass wir auf den Motorgeber positionieren und nicht auf den externen Maßstab einer Bearbeitungsachse. Intelligente Lösungen wie unser Aufspannkonzept oder die Temperaturkompensation liefern die geforderte Prozessstabilität für die Serienfertigung in diesen Branchen. So gelingt es uns, Kundenanforderungen in Form spezieller Maschinenfähigkeitsnachweise für kleine Toleranzen schon jetzt zu erfüllen. Hinsichtlich der QM-Anforderungen dieser speziellen Branchen sind wir aufgrund unserer internen Unternehmensprozesse gut gerüstet. Eine Zertifizierung z.B. nach ISO 9001 war in unserer Kernbranche bislang kaum gefordert, dennoch haben wir entsprechende, dafür notwendige Unternehmensprozesse eingeführt. Die Zertifizierung steht an.
Gibt es bereits Kunden aus für Schirmer neuen Branchen?
Ludger Martinschledde: Ja, die gibt es. Mit Bosch Rexroth bereichert ein Hersteller von Konstruktionsprofilen das Schirmer-Kundenportfolio, für den wir Maschinenfähigkeitsnachweise bei sehr hohen Präzisionsanforderungen erbringen konnten. Bei den im Nutzfahrzeug- respektive Anhängerbau tätigen Unternehmen AluTeam Fahrzeugtechnik und Cheval Liberté / Debon haben wir die hohe Flexibilität für eine Vielzahl anspruchsvoller Profilquerschnitte kombiniert mit hohen Präzisionsanforderungen für unterschiedlichste Bearbeitungsprozesse. Elaut, Entwickler und Hersteller von Greifautomaten und Münzschiebern für Spielautomaten, trug an Schirmer hohe Präzisionsanforderungen bei unterschiedlichsten Profilquerschnitten heran, die wir entsprechend umsetzen konnten.
Was versprechen Sie sich vom diesjährigen Auftritt auf der ALUMINIUM in Düsseldorf?
Ludger Martinschledde: Unser Ziel ist es, uns mit Kunden aus den unterschiedlichsten Branchen auszutauschen und mit ihnen spezifische Anwendungen und Lösungen zu besprechen. Unsere Erfahrung zeigt, dass Besucher mit ganz konkreten Aufgabenstellungen auf uns zukommen. Diese Aufgaben wollen wir lösen und zeigen, dass wir bei der Bearbeitung jeglicher Aluminiumprofile der richtige Partner sind, weil unsere Maschinenkonzepte produktunabhängig funktionieren.
Person
Ludger Martinschledde ist seit 2020 Geschäftsführer der Schirmer Maschinen GmbH in Verl. Der Maschinenbauingenieur startete seine berufliche Laufbahn als Konstrukteur bei der Claas Fertigungstechnik GmbH in Beelen. Martinschledde begleitete das Unternehmen, das später in der Aumann AG aufging, in leitenden Positionen zunächst im Projektmanagement und in der Montagetechnik, später in der Geschäftsführung und im Vorstand. 2019 wechselte er zu Schirmer.
ALUMINIUM Halle 5 / Stand C30




