19.03.26 – 39. Jahrestagung der Kaltmassivumformer
Resilienz durch stetige Innovation schaffen!
Kann man angesichts der konjunturellen Rahmenbedingungen cool bleiben und wo kann man KI und Digitalisierung in der Umformtechnik effektiv einsetzen? Dies waren Schlüsselfragen beim 39. Jahrestreffen der Kaltmassivumformer im Düsseldorfer Hilton.
Das Datum des Altweiberfaschings ist bei Kaltmassivumformern ein Fixtermin, ein "Must" im Jahresplaner: Seit jeher treffen sie sich zu genau diesem Zeitpunkt, um in Düsseldorf die herausfordernden, zeitaktuellen und brisanten Fragen der Branche zu definieren und gemeinsam Lösungsstrategien zu erarbeiten. Darunter sind Praktiker aus Unternehmen, Entwickler und Referenten von Hochschulen. Gewohnt ist dabei die Begleitung der Veranstaltung mit einer Fachausstellung, einem Speaker´s Corner sowie einer anregenden Podiumsdiskussion. Ein legerer Abendausflug in die Düsseldorfer Altstadt rundet das dichte Programm ab. Zwei Tage lang führt in bewährter Weise Prof. Peter Groche, Leiter des Instituts für Produktionstechnik und Umformmaschinen (PtU) der TU Darmstadt die Teilnehmer kurzweilig, eloquent und kenntnisreich durch die Veranstaltung.
Impulse und Schlaglichter
In seinem Vortrag "Keep cool!" beschäftigte sich Tobias Hain, Geschäftsführer des Industrieverbands Massivumformung und Head der German Cold Forging Group, Hagen, mit den Marktchancen der Kaltmassivumformung, mit der "internen" Konkurrenz zwischen Kalt- und Warmmassivumformung und zu anderen Sparten wie Zerspanung und Gießen sowie der Positionierung Deutschlands momentan im Markt. Grundtenor: Ja, die Kaltumformung, das Fließpressen und das Gesenkschmieden sind als Disziplinen unabhängig von konjunkturellen Rahmenbedingungen im Wandel. Dies treffe aber auch für andere Industriebereiche oder gar die gesamte Wirtschaft zu. Die Mammut-Aufgabe bestünde für die Unternehmen darin, die Kosten in der Produktion wettbewerbsfähig zu halten. Hier spielten Einflussfaktoren wie Energiebedarf ein entscheidende Rolle. Eine resilientere Aufstellung könne durch Innovationen geschehen, die mehr Produktivität und somit auch mehr Flexibilität zuließen. Der Markt fordere zudem zunehmend "customized"-Lösungen. Denen sei letzlich nur durch modular aufgebaute Fertigung zu begegnen. Natürlich müssten die Innovationen, die dies ermöglichen, auch finanziert werden. Dies stellt zahlreiche Firmen vor große Herausforderungen. Als positives Signal sieht er zum Beispiel, dass die Anzahl von KFZ-Zulassungen als stabil zu bezeichnen ist. Neue Materialien im (E-) Fahrzeugbau eröffneten auch neue Chancen für die Umformer...
Digitalisierung
Weitere Referenten stellten mit Ihren Vorträgen dar, dass die Veränderungen in der Branche durchaus gestaltbar sind. Dr. Stefan Hoppe, Geschäftsführer von Eichsfelder Schraubenwerk und Dr. Markus Große Böckmann, Co-Founder von Maintastic zeigten, dass etwa die Generierung und Strukturierung von Werkzeugdaten enorme Qualitäts- und Prozesssprünge möglich machten und wie diese Potenzile in der Kaltmassivumformung nutzbar sind. Dies habe dann wiederum positive Einflüsse auf die angesprochenen Punkte Resilienz und Modularität.
Prof. Dr.-Ing. Michael Marré von der Fachhochschule Südwestfalen erklärte, wie man durch die strukturierte Installation eines KI-Agenten fachlich Ziel führende Prompts entwickeln kann. Er gab auch einen Einblick über die wesentliche Architektur und Funktionsweise von KI, um zielgerichteter prompten/recherchieren zu können.
Werkzeuge
Prof. Dr.-Ing. Mathias Liewald und M. Sc. Marcel Görz vom Institut für Umformtechnik der Uni Stuttgart stellten maschinelle Lernverfahren für Umformmaschinen vor.
Thomas Berndt, Head of Process Development Forging bei Andritz Metals brachte Ideen ein, wie Kaltfließwerkzeuge optimiert und Ausbringungsleistungen gesteigert werden können.
Prozesse und Anlagen
Dr.-Ing. Robert Meißner (Leiter Entwicklung Stahl) und M.Sc. Jan Schenk von Masterfluid/Fischerwerke stellten zusammen mit Dipl.-Ing. Hendrik Scharf (Technischer Leiter E.W. Menn) das sensible sonorgestützte Einrichten von Gewindewalzbacken vor. Dr. Nadezda Missal von Felss befasste sich mit dem Thema Axialformen vs. Wälzfräsen und mit Lösungen für die Rotorwellen-Bearbeitung. Dr. Ing. Samer Matauweg, Inhaber des gleichnamigen Ingenieurbüros, stellte Möglichkeiten der Überwachung von Kaltmassivpressen vor.
Aussteller und Mitwirkende (u.a)
Andritz Metals, Dittel Messtechnik, Eichfelder Schraubenwerk, E.W. Menn, Felss Systems, FH Südwesfalen, Fischerwerke, Herlanco, Hirschvogel, Industrieverband Massivumformung, Lasco, Maintastic, Marposs, Masterfluid, Metalltechnik Menges, Oerlikon Balzers Coating, Profiroll Technologies, Sander Automation, Strecon, Transvalor, TU Darmstadt, Universität Stuttgart, VDW, WIMCOM.




