27.05.26 – Lasco geht den nächsten Schritt
Leichtbau neu denken: Warum Materialeffizienz allein nicht ausreicht
Leichtbau gilt als Schlüssel zur Ressourceneffizienz – führt in der Praxis jedoch zunehmend in einen Zielkonflikt: Höherfeste Materialien reduzieren zwar den Materialeinsatz, erzwingen aber gleichzeitig deutlich aufwendigere Umformprozesse.
Das Ergebnis sind steigende Anforderungen an Energie, Anlagentechnik und Prozessführung. Wer diesen Zusammenhang ignoriert, optimiert am falschen Ende. „Wer im Leichtbau nur das Material optimiert, verlagert die Probleme in den Prozess“, sagt Lothar Bauersachs, Vorsitzender der Geschäftsführung der Lasco Umformtechnik. Im Kontext einer Großpresse oder Umformanlage heißt das: Entscheidend ist nicht nur, welches Material verarbeitet wird, sondern ob die gesamte Prozesskette dafür ausgelegt ist, dieses Material sicher, reproduzierbar und wirtschaftlich in Form zu bringen.
Genau hier setzt Lasco an. Während viele Anbieter auf skalierte Standardlösungen setzen, geht Lasco schon lange einen anderen Weg: Projekte werden nicht in bestehende Konzepte gepresst, sondern gemeinsam mit dem Kunden entwickelt. Ziel ist es, auch unter extremen Randbedingungen technisch und wirtschaftlich tragfähige Lösungen zu realisieren – selbst dann, wenn dafür etablierte Ansätze verlassen werden müssen. „Technologischer Fortschritt sei ein dauerhafter, schöpferisch-destruktiver Prozess, der die Wirtschaft immer wieder neu formt und keine theoretische Endgrenze kennt“ erkannte bereits der Ökonom Joseph Schumpeter (1).
Wie weit dieser Ansatz reicht, zeigt sich aktuell im Großanlagenbau. Bei sehr großen Umformanlagen stoßen klassische Stahlrahmenkonstruktionen zunehmend an Grenzen – sowohl hinsichtlich Steifigkeit als auch Bauraum und Wirtschaftlichkeit. Gleichzeitig wächst der Bedarf im Markt, entsprechende Anlagen zu realisieren. Viele Anbieter reagieren zurückhaltend, da die Risiken hoch sind und erprobte Konzepte fehlen. Gemeinsam mit Partnern hat Lasco bewusst einen neuen konstruktiven Ansatz gewählt: Statt eines konventionellen Pressengestells kommt eine vorgespannte Betonrahmenstruktur zum Einsatz – ein Konzept, das im Maschinenbau bislang kaum verbreitet ist. Eine Anlage auf Basis dieses Prinzips wurde in den USA realisiert und befindet sich dort seit 2018 erfolgreich im Produktionsbetrieb. Das horizontale, nach oben offene Pressengestell bietet ideale Voraussetzungen für eine einfache Automatisierung und gute Zugänglichkeit. Trotz der offenen Bauweise werden hohe Prozesskräfte zuverlässig aufgenommen. Zugleich sorgt die Konstruktion auch bei großen Abmessungen für eine hohe Systemsteifigkeit und damit für eine stabile, präzise Prozessführung.
Für den Kunden entsteht dadurch ein klarer technologischer und wirtschaftlicher Vorsprung bei der Herstellung anspruchsvoller, im geschlossenen Gesenk geschmiedeter Bauteile. Durch diese Bauweise wurden nicht nur bestehende technische Grenzen verschoben – es entstanden auch neue Freiheitsgrade im Umformprozess und in der Anlagengestaltung.
Derartige disruptive Lösungen sind kein Ergebnis inkrementeller Optimierung. Sie entstehen nur dort, wo Entwicklung frühzeitig ganzheitlich gedacht wird. Denn mit steigenden Werkstoffleistungen und Produktanforderungen wachsen auch die Anforderungen an Prozessführung, Automatisierung und Anlagenintegration. Einzelmaßnahmen – etwa leistungsstärkere Pressen – greifen hier zu kurz. Entscheidend ist die abgestimmte Auslegung des Gesamtsystems.
Lasco geht den nächsten Schritt: Aus „horizontal“ wird „vertikal“
Das Gesamtsystem „Großpresse“ wird neu gedacht. Dem Entwicklungsprinzip der „strukturellen Differenzierung“ (2) folgend, das Lasco bereits erfolgreich bei Aluminiumschmiedelinien anwendet, werden gezielt Teilsystemfunktionen bei der Konzeption der vertikal ausgelegten Presse auf Gebäudeebenen zugeordnet. Die Separierung von Wirkebene, Antriebsebene und Versorgungsebene schafft eine offene, klar strukturierte Systemarchitektur und ermöglicht optimale Zugänglichkeit, hohe Wartungsfreundlichkeit und eine eindeutige funktionale Gliederung der gesamten Anlage.
Das Wirksystem auf Flurebene bildet die zentrale Arbeitsebene der Presse. Oberhalb können separate Stockwerke für die Anordnung von Zylindereinheiten, Antriebstechnik und elektrischer Ausrüstung vorgesehen werden. Eingebettet sind diese Funktionsebenen in die tragende Struktur der vorgespannten Betonrahmenkonstruktion.
Diese lösungsorientierte Konstruktionsausführung ist ein Paradebeispiel für die viel propagierte Interdisziplinäre Zusammenarbeit von Maschinenbau, Elektrotechnik und Bauingenieurwesen.
Für Maschinen- und Anlagenbauer bedeutet das einen klaren Paradigmenwechsel: Gefragt sind nicht mehr Anbieter etablierter, standardisierter Technologien, sondern Partner, die bereit sind, gemeinsam mit ihren Kunden neue Wege zu gehen und Maschinentechnologie von Grund auf neu zu denken. Leichtbau wird damit zur Systemdisziplin – und zum Prüfstein für die Innovationsfähigkeit einer ganzen Branche.
Quellen:
1) Joseph Schumpeter (1883-1950 Österreichscher Ökonom und Finanzminister). – Theorie der Wirtschaftlichen Entwicklung
2) Prof. Dr. Hans-Jürgen Linde / WOIS Institut Coburg - WOIS – Einführung



