15.10.26 – Interview

„Deutschland bleibt für uns der richtige Standort“

Der Entwicklung des EccoTec-Verfahrens (UMFORMTECHNIK berichtete) folgte in den letzen 24 Monaten eine zweistellige Millioneninvestition von baier & michels am hessischen Standort in Ober-Ramstadt. Das ist mal ein Zeichen! UMFORMTECHNIK-Chefredakteur Tilo Michal sprach mit Jana Tischler, verantwortlich für das Neukundengeschäft im Vertrieb, und Olaf Ambros, Leiter Technik und Entwicklung und Mitglied der Geschäftsleitung.

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Jana Tischler und Olaf Ambros: „Unser Leitsatz lautet: umformen statt zerspanen.“ © Maximilian von Lachner

 
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Jana Tischler und Olaf Ambros. © Maximilian von Lachner

 
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Tilo Michal: Frau Tischler, Herr Ambros, Baier & Michels wurde als Schraubenhandelsunternehmen gegründet. Heute investieren Sie in eigene Fertigungstechnologien. Warum?

Olaf Ambros: Weil sich die Rahmenbedingungen grundlegend verändert haben. Mit einem klassischen Handelsmodell lassen sich im internationalen Wettbewerb heute kaum noch Alleinstellungsmerkmale schaffen. Deshalb haben wir uns früh entschieden, eigene Produkte und Fertigungskompetenzen aufzubauen. Heute verstehen wir uns als Technologieunternehmen für Verbindungstechnik und Präzisionsbauteile.

Michal: Wie wichtig ist dabei die Zugehörigkeit zur Würth-Gruppe?

Jana Tischler: Sehr wichtig. Innovationen dieser Größenordnung benötigen einen langen Atem. Die Würth-Gruppe hat das Potenzial unserer Entwicklungen erkannt und die notwendigen Investitionen unterstützt. Das war eine wichtige Voraussetzung, um neue Wege zu gehen.

Michal: Ein Ergebnis ist das Fertigungsverfahren b&m-EccoTec. Was macht es strategisch so relevant?

Ambros: Mit b&m-EccoTec übertragen wir die Vorteile der Kaltmassivumformung auf Bauteile, die bisher überwiegend spanend hergestellt wurden. Unsere Kunden profitieren dadurch von einem geringeren Materialeinsatz, reduziertem Energieverbrauch und gleichzeitig hohen Ausbringungsmengen.

Michal: Die hiesige Industrie steht unter Druck – unter anderem durch Wettbewerber aus Asien.

Tischler: Das ist Realität. Wer ausschließlich über den Preis konkurriert, wird es schwer haben. Wir müssen Dinge können, die nicht beliebig kopierbar sind. Die neue Fertigungsstätte in Ober-Ramstadt ist dafür ein deutliches Signal. Sie ist das Ergebnis einer klaren Entscheidung, Wertschöpfung mit eigener Technologie und hoher Fertigungstiefe in Deutschland aufzubauen. Michal: Hinzu kommen regulatorische Anforderungen wie CBAM. Tischler: Der Carbon Border Adjustment Mechanism soll CO2-Kosten für bestimmte Importprodukte vergleichbarer machen. Für Unternehmen bedeutet das zusätzlichen Aufwand. Gleichzeitig werden Ressourceneffizienz und belastbare CO2-Daten zunehmend zum Wettbewerbsfaktor. Technologien wie b&m-EccoTec eröffnen hier neue Möglichkeiten: Sie schaffen die Voraussetzung, Verbindungs- und Antriebselemente wirtschaftlich in Deutschland zu fertigen und damit die Abhängigkeit von internationalen Lieferketten zu reduzieren.

Michal: Viele Unternehmen zweifeln am Produktionsstandort Deutschland. Sie nicht?

Ambros: Natürlich kennen wir die Herausforderungen. Energiepreise, Personalkosten, Regulierung und Bürokratie sind Faktoren, die Unternehmen im Alltag deutlich belasten. Trotzdem investieren wir bewusst in Deutschland. Nicht aus Nostalgie, sondern weil wir hier Engineering-Kompetenz, starke Hochschulpartnerschaften, qualifizierte Fachkräfte und einen verlässlichen Schutz geistigen Eigentums finden. Für unsere Strategie ist das der richtige Standort.

Michal: Wo sehen Sie die nächsten Entwicklungsschritte?

Ambros: Wir stehen mit der Technologie noch am Anfang. Durch Digitalisierung, Robotik und selbstlernende Regelungssysteme können wir die Möglichkeiten weiter ausbauen. Heute fertigen wir bereits Präzisionsteile mit Längen von bis zu 250 Millimetern. Unser Ziel ist es, künftig noch größere und komplexere Bauteile wirtschaftlich spanlos herzustellen.

Michal: Wie würden Sie die strategische Ausrichtung von Baier & Michels in einem Satz zusammenfassen?

Tischler: Wir investieren gezielt in Technologien, die industrielle Massenproduktion langfristig wettbewerbsfähiger machen – und schaffen damit die Grundlage für zusätzliche Wertschöpfung in Deutschland.