29.03.26 – Ziehschälen gewinnt strategische Bedeutung
Wie Daten das Ziehschälen revolutionieren
Das Ziehschälen hat sich in den vergangenen Jahren von einer spezialisierten Oberflächenbearbeitung zu einer strategischen Schlüsseltechnologie in der Drahtindustrie entwickelt. Während früher primär die Entfernung von Oberflächenfehlern und Zunder im Fokus stand, stehen heute deutlich umfassendere Anforderungen im Vordergrund.
Diese Anforderungen sind: reproduzierbare Materialeigenschaften, vollständige Qualitätsdokumentation, steigende Automatisierung und die sichere Verarbeitung schwankender Vormaterialqualitäten. Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist der zunehmende Einsatz von Recyclingmaterial. Höhere Schrottanteile bei Stahl, Kupfer oder Aluminium führen zwangsläufig zu größeren Streuungen in chemischer Zusammensetzung, Gefüge und mechanischen Eigenschaften.
Ziehschälen gewinnt strategische Bedeutung
Das Ziehschälen übernimmt dabei eine doppelte Funktion. Einerseits entfernt es zuverlässig Oberflächenfehler, Oxide oder Beschichtungsreste. Andererseits schafft es eine definierte, homogene Ausgangsoberfläche für nachfolgende Ziehprozesse. Gerade bei Recyclingmaterial wird das Schälen damit zu einer entscheidenden Qualitätsstufe innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette.
Vor diesem Hintergrund werden Ziehschälanlagen systematisch mit intelligenter Messtechnik und datenbasierter Prozessüberwachung aufgerüstet. Das Ziel ist eine vernetzte, lernfähige Produktionseinheit zu entwickeln. Aus diesem Grund erfolgt eine Aufrüstung der Anlagen und eine Ergänzung.
Inline-Durchmessermessung
Die kontinuierliche Erfassung des Drahtdurchmessers bildet das Fundament der Qualitätssicherung. In unseren modernisierten Anlagen erfolgt diese Messung inline mittels hochauflösender optischer Systeme.
Die Vorteile liegen auf der Hand sofortige Erkennung von Maßabweichungen und Verschleissüberwachung der Ziehschälwerkzeuge und damit eine 100-%-Dokumentation der Bearbeitungsergebnisse.
Wirbelstromprüfung: Oberflächenkontrolle und Festigkeitstrend
Ein wesentlicher Schritt ist die Integration einer modernen Wirbelstromprüfung direkt hinter dem Schälprozess. Dieses System erlaubt eine 100%-Prüfung der Drahtoberfläche während der Produktion und stellt sicher, dass Oberflächenfehler komplett entfernt wurden.
Besonders interessant ist die zusätzliche Möglichkeit, über das elektromagnetische Verhalten des Materials Rückschlüsse auf mechanische Eigenschaften zu ziehen. Veränderungen in Gefüge, Härte oder Leitfähigkeit beeinflussen das Wirbelstromsignal. In Verbindung mit Kalibrier- und Referenzwerten lassen sich daraus Trends der Zugfestigkeit inline überwachen.
Künstliche Intelligenz auf dem Weg zum digitalen Produktzwilling
Die reine Datenerfassung ist jedoch nur der erste Schritt. Der eigentliche Mehrwert entsteht durch intelligente Analyse. In Kooperation mit dem Ailoys GmbH werden sämtliche relevanten Prozessdaten strukturiert erfasst und in lernfähige Modelle überführt. Mithilfe von Machine-Learning-Algorithmen werden Muster erkannt, die mit konventionellen Auswertungsmethoden nicht sichtbar wären. So lassen sich beispielsweise frühzeitig erkennen:
– beginnende Werkzeugabnutzung
– schleichende Materialveränderungen
– instabile Prozesszustände
– Abweichungen im Gefüge
Die Prozessführung entwickelt sich damit von einer reaktiven zu einer prädiktiven Steuerung. Ein weiterer Baustein der intelligenten Aufrüstung ist die Integration von Körperschallsensorik. Diese erfasst das Verhalten zentraler Elemente in Echtzeit.
In Kombination mit Material- und Qualitätsdaten entsteht ein digitaler Produktzwilling. Dieser verknüpft:
– Materialeigenschaften
– Prozessparameter
– Maschinenzustand
– Qualitätsmerkmale
Jede produzierte Charge erhält damit eine digitale Historie. Die Produktion wird vollständig nachvollziehbar.
Fazit
Das Ziehschälen entwickelt sich vom klassischen Oberflächenbearbeitungsverfahren zur intelligenten Prozessplattform. In einer Branche, die zunehmend mit variierenden Rohstoffqualitäten, steigenden Nachhaltigkeitsanforderungen und höherem Kostendruck konfrontiert ist, wird die Fähigkeit zur datenbasierten Prozessbeherrschung zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.
Die Aufrüstung bestehender Anlagen mit moderner Messtechnik und KI eröffnet neue Möglichkeiten – sowohl für Neuanlagen als auch für Retrofit-Projekte.
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