24.09.26 – Outokumpu-Edelstahl

Halbjahresbilanz ist Seismograph der Branche

Outokumpu stellte seinen Situationsbericht vor. Darin finden sich auch interessante Insider Ein- und Ausblicke für die Branche.

outokumpu-Messestand--Copyright-Britta-Lange-Stolle.jpg

Auch schon 2024 konnten Besucher eines Outokumpu-Messestandes in die (Unternehmens-) Zukunft schauen. © Britta Lange-Stolle

 
Outokumpu-Standort-in-Finnland-Copyright-Outokumpu.jpg

Unternehmensstandort von Outokumpu im Hohen Norden. © Outokumpu

 

Die Zahlen und Fakten, die das finnische Unternehmen Journalisten zugänglich machte, haben auch das Zeug dazu, etwas in die Zukunft schauen und sogar etwas Kaffeesatz lesen zu können. Sie zeigen Markttendenzen und Risikoentwicklungen auf. Zunächst aber die nüchterenen Fakten: Das bereinigte EBITDA des Konzerns stieg gegenüber dem Vorquartal auf rund 100 Mio. EUR. Maßgeblich hierfür waren insbesondere die Verbesserung im Geschäftsbereich BA Europe, während die starke Entwicklung im Geschäftsbereich BA Americas anhielt und sich die Performance im Geschäftsbereich BA Ferrochrome ebenfalls verbesserte. Die Auslieferungen von Edelstahl erhöhten sich gegenüber dem Vorquartal um 5 %. Die Nachfrage wurde durch Regulierungsmaßnahmen in Europa unterstützt, während sich die Endkundennachfrage nur in einzelnen Industriesegmenten verbesserte. In den USA blieb die Nachfrage gut und profitierte von einer verbesserten Dynamik in verschiedenen Industriesegmenten. Spannende Feststellung: Die Nachfrage nach europäischem Ferrochrom aus emissionsarmer Fertigung von Outokumpu blieb robust; die Ferrochrom-Auslieferungen stiegen gegenüber dem Vorquartal um 4 %.

Wachstumstreiber EVOLVE-Strategie

Aufbauend auf dem bestehenden Geschäftsfeld Advanced Materials hat Outokumpu den Start eines Investitionsprojekts in Hochnickellegierungen beschlossen. Dieses Segment bietet attraktive globale Wachstumsperspektiven, höhere Resilienz und verbesserte Margen. Die Umsetzung der Investition in Avesta, Schweden, soll in zwei Phasen zur Beschleunigung des Markteintritts und Verbesserung der Rendite erfolgen. Die Skalierung proprietärer metallurgischer Technologien zur Herstellung von CO2-reduzierten Ferrochrom- und Chrommetallen schreitet voran mit Offenlegung der ersten Patentanmeldungen zum Schutz wesentlicher Elemente der Verfahrenstechnik im Juli. Das Entwicklungsprojekt der neuen Technologieplattform legt den Grundstein für ein zukunftsorientiertes und auf Wachstum ausgerichtetes Geschäftsmodell. Das Produktportfolio wird weiter in Richtung Ferrochrom-Produkte mit höherer Wertschöpfung ausgebaut, um neue Kundensegmente, einschließlich Hersteller von Spezialstählen, zu bedienen.

Robust: der Edelstahl-Markt

Im zweiten Quartal blieb die europäische Edelstahl-Nachfrage insgesamt weitgehend unverändert. Die Marktdynamik wurde durch den CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) sowie die Schutzmaßnahmen für Stahl, die am 1. Juli 2026 in Kraft getreten sind, unterstützt. Darüber hinaus überprüft die Europäische Kommission derzeit das EU-Emissionshandelssystem (EU ETS) für den Zeitraum 2031–2040. Der am 17. Juli 2026 veröffentlichte Vorschlag bestätigt das EU-Emissionshandelssystem weiterhin als zentrales Instrument zur Emissionsbepreisung und zur Förderung von Investitionen in saubere Technologien. Der Vorschlag diskutiert zudem verschiedene Anpassungsmöglichkeiten, einschließlich der Ausgestaltung des Auslaufens von kostenlosen Emissionszertifikaten sowie des linearen Reduktionsfaktors (LRF). Outokumpu betont, dass es entscheidend sei, einen starken und verlässlichen Rahmen für die CO2-Bepreisung beizubehalten, der Investitionen in Maßnahmen zur industriellen Dekarbonisierung würdigt und gleichzeitig faire Wettbewerbsbedingungen für emissionsarme Herstellung sicherstellt.

In den USA zeigte sich die Marktnachfrage robuster, insbesondere in industriellen Segmenten wie Rechenzentren und Energieinfrastruktur. Auch der mexikanische Markt zeigte weitere Anzeichen einer Erholung. Erwartungen habe man an die USMCA-Verhandlungen in weiteren Gesprächsrunden zwischen den USA und Mexiko...

Ferrochrommarkt

Im südafrikanischen Ferrochrommarkt haben die Produzenten von Charge Chrome eine Vereinbarung zur Unterstützung der Strompreise ausgehandelt. Es wird erwartet, dass die Produktion gegen Ende des Jahres wieder hochgefahren wird. Eine auf dieser Basis subventionierte Produktion könnte das Verhältnis von Angebot und Nachfrage im Markt beeinflussen. "Wir bleiben jedoch zuversichtlich hinsichtlich der robusten Nachfrage nach unserem Ferrochrom, das wir emissionsarm in Europa erzeugen. Gleichzeitig treiben wir den Ausbau unseres Ferrochrom-Produktportfolios in Richtung Spezialgüten weiter voran", hieß es von Unternehmensseite.

Die Krise im Nahen Osten verstärke die Unsicherheit an den Märkten, belaste das Wirtschaftswachstum allerorten und treibe die Energie- und Frachtkosten in die Höhe. Die direkten Auswirkungen auf das Ergebnis von Outokumpu selbst im zweiten Quartal waren allerdings begrenzt und resultierten hauptsächlich in höheren Frachtkosten.

www.outokumpu.com