27.08.20 – Wirtschaft

Aluminiumindustrie rechnet mit Konjunkturdelle

Die deutsche Aluminiumindustrie musste die Produktion im ersten Halbjahr 2020 in allen Bereichen einschränken. Eine leichte Belebung erwartet die Branche im zweiten Halbjahr. Mit Sorge blickt der Aluminiumsektor auf die aktuell weiter bestehenden Handelskonflikte.

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GDA-Geschäftsführer Marius Baader: „Die Coronakrise hat tiefe Löcher in die Bilanz des ersten Halbjahres gerissen.“ © GDA

 

Die deutsche Aluminiumindustrie hat im ersten Halbjahr einen erheblichen Konjunktureinbruch zu verkraften. Die Erzeugung von Rohmetall sank um mehr als 14 %, die Weiterverarbeitung und die Halbzeugproduktion jeweils mehr als 5 %.

„Die Coronakrise hat tiefe Löcher in die Bilanz des ersten Halbjahres gerissen“, betont GDA-Geschäftsführer Marius Baader. „Die immensen Auswirkungen und die Wucht der Corona Pandemie zeigt unsere Ad-hoc-Mitgliederumfrage, die wir zum Ende des zweiten Quartals 2020 durchführten. Mit einem Anteil von 92 % ist der Auftragsmangel die bedeutendste Produktionsbehinderung. Dieser Einbruch macht sich natürlich auch in unseren Abruf- und Produktionszahlen bemerkbar.“

Viele Kundenbranchen, vor allem die Luftfahrt und die Automobilindustrie, verbuchten starke Umsatzeinbrüche. Viele Mitgliedsunternehmen mussten ihre Fertigung rasch reduzieren oder temporär ganz einstellen.

Vom Konjunktureinbruch am deutlichsten betroffen ist der Bereich Rohaluminium. Über 14 % Rückgang mussten die Produzenten im ersten Halbjahr verkraften. Die Recyclingunternehmen hatten am meisten zu leiden, deren Produkte vornehmlich beim Aluminiumformguss eingesetzt werden und damit zu 90 % an der Entwicklung der Automobilindustrie hängen. Mit den Werksschließungen der OEM im zweiten Quartal ist auch hier die Produktion größtenteils zum Erliegen gekommen. Insgesamt beträgt der Rückgang im ersten Halbjahr knapp 30 %.

Die Hersteller von Aluminiumhalbzeug mussten ihre Produktion um 5 % einschränken. Die volumenmäßig dominierenden Produktbereiche – Walzprodukte und Strangpressprodukte – sind vom Konjunktureinbruch unterschiedlich betroffen. Die Produktion der Walzwerke ging aufgrund der stabilisierenden Effekte des Verpackungsmarktes nur um 2,6 % zurück, während die Hersteller von Profilen, Stangen und Rohren ihre Produktion um über 12 % reduzieren mussten. Der Grund ist auch hier die starke Abhängigkeit von den Automobilwerken.

Die Entwicklung der Aluminiumweiterverarbeiter konnte sich dem negativen Trend ebenfalls nicht entziehen. Die Verpackungsmärkte sind zwar bisher deutlich besser durch die Krise gekommen, jedoch sind die Kapazitäten in den letzten Jahren am Standort Deutschland reduziert worden. Hierdurch fällt die deutsche Produktionsentwicklung hinter die eigentliche Marktentwicklung zurück.

Leichte Erholungstendenzen in Aussicht

Für die zweite Jahreshälfte ist der Ausblick etwas positiver: Die Automobilindustrie zeigt erste leichte Erholungstendenzen. Die Bauwirtschaft, eine der wichtigsten Kundenbranchen, hat deutlich geringere Rückgänge als erwartet zu verbuchen. Die Mitglieder des GDA rechnen mit einer leichten Erholung in der zweiten Jahreshälfte, allerdings bleibt das Produktionsvolumen des Jahres 2019 auf absehbare Zeit außer Reichweite.

„Mit großer Sorge blicken wir auf den zunehmenden Handelskonflikt zwischen Europa und China. China hat in den letzten Jahren eine enorme Menge an Überkapazitäten aufgebaut. Erhebliche Teile hiervon drängen in die Europäische Union. Deshalb hatte die EU bereits im Februar 2020 eine Antidumpinguntersuchung zu Aluminium-Strangpressprodukten mit Ursprung in China eingeleitet. Hinzu gekommen ist aktuell – August 2020 – eine neue Untersuchung von bestimmten Aluminiumwalzprodukten, welche den größten Teil der Aluminiumimporte ausmachen. Auch China muss sich an die globalen Regeln des freien und fairen Handels halten. Deshalb begrüßen wir die Überprüfung des Verhaltens der chinesischen Aluminiumindustrie“, erläutert Andreas Postler, Leiter Volkswirtschaft und Handelspolitik.

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