06.08.26 – Rüstung, Raumfahrt und Verpackung stützen, Kernindustrien weiter unter Druck
Aluminium-Konjunktur 2. Quartal 2026
Die wirtschaftliche Lage der deutschen Aluminiumindustrie zeigt im zweiten Quartal 2026 ein zweigeteiltes Bild. Das zeigen die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage von Aluminium Deutschland unter den Mitgliedsunternehmen. Während sich spezialisierte Branchen robuster zeigen, stehen besonders die klassischen industriellen Absatzmärkte weiterhin unter Druck.
Aluminium Deutschland hat seine Mitgliedsunternehmen im Rahmen des vierteljährlichen Konjunkturbarometers erneut zur aktuellen Marktlage sowie zu den Erwartungen für das verbleibende Jahr befragt. Die Einschätzung der aktuellen Auftragslage (2. Quartal 2026) fällt differenziert aus: Die Hälfte der befragten Unternehmen (50 Prozent) bewertet ihre Auftragslage als schlecht bis sehr schlecht, 30 Prozent sprechen von einer saisonüblichen Situation, während weitere 20 % ihre Auftragslage als gut einschätzen.
Deutlich wird die unterschiedliche Entwicklung beim Blick auf die einzelnen Absatzmärkte: Während die Luft- und Raumfahrt (rund 70 % „gut“), der Verteidigungssektor (zwei Drittel „gut“) und die Verpackungsindustrie (63 % „gut“) mehrheitlich positiv bewertet werden, bleiben die mengenmäßig bedeutenden Kernbranchen unter Druck. Im Automotive-Bereich beurteilen 63 % der Unternehmen die aktuelle Lage als schlecht. Im Bauwesen (Building Construction) sowie im Maschinenbau (Mechanical Engineering) sind es jeweils 60 %. In der Elektrotechnik herrscht eine saisonübliche bzw. befriedigende Geschäftslage.
Mit Blick auf die kommenden Monate bleiben die Erwartungen der Unternehmen mehrheitlich gedämpft: Insgesamt rechnen 55 % der Betriebe bis Ende 2026 mit einer schwachen Kapazitätsauslastung, 20 Prozent gehen von einem saisonüblichen Niveau aus und 25 % erwarten eine gute oder sehr gute Auslastung. Ein leichter Optimismus zeigt sich insbesondere in der Luft- und Raumfahrt, wo mehr als 40 Prozent der Unternehmen mit einer weiteren Verbesserung rechnen.
Leichter Produktionsrückgang im ersten Halbjahr
Die verhaltene Stimmung schlägt sich auch in den realen Produktionsdaten nieder: Die Herstellung von Aluminiumhalbzeugen sank im ersten Halbjahr 2026 um zwei Prozent auf knapp 1,15 Mio. t (Q2 2026: 580.266 t; -3 %). Auch im Recyclingbereich ging das Gesamtvolumen im ersten Halbjahr um zwei Prozent auf rund 1,36 Mio. t zurück (Q2 2026: 671.236 t; -2 %). Damit setzt sich der schleichende Abwärtstrend im Gesamtrecycling der vergangenen Jahre weiter fort. Eine kleine Ausnahme bildeten lediglich die Refiner, die im ersten Halbjahr ein Plus von rund vier Prozent auf 253.400 t verzeichneten.
Geopolitische Spannungen erhöhen den Kostendruck
Zusätzliche Belastungen entstehen durch geopolitische Spannungen: Im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt berichten 85 % der Unternehmen von steigenden Inputkosten für Rohstoffe und Vormaterialien. 65 % beobachten eine zunehmende Verunsicherung ihrer Kunden, 40 % melden Störungen in den Lieferketten. Für die kommenden Monate rechnen 65 % mit weiteren Kostensteigerungen und 60 % mit zusätzlichen Lieferengpässen. Als Reaktion haben 70 % der Unternehmen bereits Preisanpassungen vorgenommen, 55 % ihre Lieferketten angepasst.
Wettbewerbsdruck aus China und angespannte Rohstoffmärkte
Auch der internationale Wettbewerb bleibt eine zentrale Herausforderung. 85 % der Unternehmen sehen China zumindest teilweise als Risiko für den Industriestandort Deutschland, bei etwas mehr als der Hälfte (55 %) überwiegen die Risiken gegenüber den Chancen deutlich. Als größte Risiken werden der Preis- und Unterbietungswettbewerb (90 %), unterschiedliche Umwelt- und Sozialstandards (65 %) sowie Abhängigkeiten bei Rohstoffen (55 %) genannt. Knapp ein Drittel der befragten Unternehmen befürchtet zudem Auswirkungen bei der Schrottversorgung.
Die Rohstoffversorgung im Recyclingbereich bleibt insgesamt herausfordernd: 80 % der Unternehmen spüren eine Verknappung auf dem europäischen Markt für Aluminiumschrotte. Als größte Probleme nennen 80 % die hohen Schrottpreise, 50 % die eingeschränkte Verfügbarkeit von Post-Consumer-Schrotten und 45 % die mangelnde Verfügbarkeit von Pre-Consumer-Schrotten.
Standortpolitik entscheidet über künftige Wettbewerbsfähigkeit
Die Umfrageergebnisse verdeutlichen damit die aktuelle Zwickmühle der Branche: Während Industrien wie Luft- und Raumfahrt, Verteidigung und Verpackung als Stabilitätsanker fungieren, verharren die industriellen Volumenmärkte wie Automobil, Bau und Maschinenbau in der Stagnation. Zusammen mit geopolitischen Herausforderungen, hohen Rohstoffkosten und dem internationalen Wettbewerbsdruck verschärft dies die Standortbedingungen in Deutschland spürbar. „Wir dürfen das Fundament unserer heimischen Industrie in dieser Umbruchphase nicht aufs Spiel setzen. Um die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland langfristig zu sichern, braucht es verlässliche energie- und industriepolitische Rahmenbedingungen sowie faire Wettbewerbsbedingungen auf den internationalen Märkten“, so Rob van Gils, Präsident von Aluminium Deutschland.
Über Aluminium Deutschland
Aluminium Deutschland ist die Stimme der deutschen Aluminiumindustrie. Der Verband vertritt die politischen, wirtschaftlichen und technischen Interessen seiner rund 135 Mitglieder entlang der gesamten Aluminiumwertschöpfungskette von der Primäraluminiumproduktion über Halbzeuge bis hin zur Weiterverarbeitung. Aluminium ist aufgrund seiner Eigenschaften unverzichtbar für Schlüsselbranchen wie die Automobilindustrie, Luft- und Raumfahrt, Verteidigung, Energieerzeugung und Bauwesen sowie für Verbraucherprodukte wie Haushaltsgeräte und innovative Verpackungslösungen. Aluminium Deutschland macht sichtbar, welchen Beitrag die deutsche Aluminiumindustrie für eine innovative und nachhaltige Zukunft leistet. Weitere Informationen unter www.aluminiumdeutschland.de.



