07.07.26 – Boxspeicher optimiert Litzenfertigung und ermöglicht kontinuierliche Aderextrusion

Ein System – zwei Durchbrüche

Mit dem „Boxspeicher“ stellt Kurre Systems eine Technologie vor, die zwei zentrale Herausforderungen der Draht- und Kabelindustrie gleichzeitig adressiert: die präzise Litzenfertigung sowie die unterbrechungsfreie Aderextrusion.

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Patentierter Boxspeicher von Kurre Systems optimiert Litzenfertigung und ermöglicht kontinuierliche Aderextrusion. © Kurre Systems

 
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Auf der „wire 2026“ in Düsseldorf zeigte Thorsten Wilde den neuen „Boxspeicher“ von Kurre Systems DRAHT-Chefredakteur Jörg Dambock. © Meisenbach

 

Das patentierte System kombiniert kontrollierte Zugkraftführung mit intelligenter Drahtspeicherung und schafft damit die Grundlage für höhere Qualität, stabilere Prozesse und deutlich gesteigerte Anlagenverfügbarkeit.

In der industriellen Drahtverarbeitung stehen Hersteller seit Jahrzehnten vor grundlegenden Zielkonflikten.

In der Litzenfertigung konkurrieren zwei etablierte Verfahren:

– Fachdrahtsysteme bieten eine hohe Wirtschaftlichkeit bei gleichzeitig kompaktem Maschinenlayout, während

– Einzeldrahtabwickler eine präzise, individuell einstellbare Zugkraftführung ermöglichen.

Beide Ansätze haben jedoch systembedingte Nachteile entweder hinsichtlich der Geometriegenauigkeit oder der Effizienz.

Auch in der Aderextrusion existiert eine strukturelle Schwachstelle: Der Spulenwechsel führt zwangsläufig zu Anlagenstillständen, die Produktivität reduzieren und zu Materialverlusten führen. Besonders bei dünnen Leitern ist zudem eine stabile Prozessführung anspruchsvoll.

Beiden Anwendungen ist gemein, dass bislang keine Lösung verfügbar war, die Zugkraftregelung, Materialfluss und Prozesskontinuität gleichzeitig optimiert.

Systemprinzip des Boxspeichers

Mit dem „Boxspeicher“ hat Kurre Systems ein System entwickelt, das diese Anforderungen in einem kompakten Anlagenmodul vereint.

Das Prinzip basiert auf drei Funktionen:

– gezielte Zwischenspeicherung von Draht nach dem Abwickler

– Kompensation von Längen- und Prozessschwankungen

– kontinuierliche Zugkraftregelung

Der Draht wird aktiv in den Speicher eingebracht und unter definierten Bedingungen wieder dem Prozess zugeführt. Abhängig von der Anwendung führt dies entweder zu einer deutlich verbesserten Geometrie (Litzen) oder zu einer unterbrechungsfreien Produktion (Aderextrusion).

Anwendung in der Litzenfertigung: Controlled Core

In der Litzenfertigung ermöglicht der „Boxspeicher“ erstmals die gezielte Führung des Herzdrahts innerhalb eines Fachdrahtprozesses.

Durch die kontrollierte Separierung und Spannungsführung entsteht ein sogenannter Controlled Core, ein mechanisch stabilisiertes Litzenzentrum mit definierter Zugkraft.

Diese gezielte Kernspannung im Bereich ab 0,2 N kompensiert einen wesentlichen Nachteil klassischer Fachdrahtsysteme: den fehlenden Spannungsausgleich für den geometrisch kürzeren Herzdraht.

Die Auswirkungen auf den Verseilprozess sind signifikant:

– Reduktion von Schlaufenbildung und „Vogelkäfig“-Effekten

– Verbesserte Rundheit und Maßhaltigkeit

– Minimierung mechanischer Fehlstellen wie Korkenzieher-Effekte

Damit wird die Präzision eines Einzeldrahtsystems erreicht, ohne dessen erhöhten Investitions-, Platz- und Rüstaufwand in Kauf nehmen zu müssen.

Anwendung in der Aderlinie: Kontinuierliche Extrusion

In der Aderfertigung zeigt der Boxspeicher seine Stärke als Prozesspuffer.

Der Draht wird direkt nach dem Abwickler eingespeichert und steht der Extrusion anschließend kontinuierlich zur Verfügung. Mit einer Speicherkapazität von mehreren hundert Metern kann der Produktionsprozess auch während eines Spulenwechsels aufrechterhalten werden.

In Kombination mit einem Zwei-Abwickler-System entsteht ein unterbrechungsfreier Materialfluss:

– ein Abwickler arbeitet, während der zweite vorbereitet wird

– Drahtenden werden mittels Kaltschweißverbindung überlappend verbunden

– der „Boxspeicher“ überbrückt den Übergang vollständig

Damit wird eine kontinuierliche Extrusion ohne Anlagenstillstand realisiert.

Die integrierte Zugkraftregelung im Bereich ab 2 N sorgt zusätzlich für einen stabilen Drahtlauf und eine ruhige Prozessführung im Extruder.

Prozess- und Qualitätsvorteile

Der Einsatz des „Boxspeichers“ führt in beiden Anwendungen zu messbaren Verbesserungen entlang der gesamten Prozesskette:

Prozessstabilität

– Gleichmäßige Zugkraftführung

– Reduzierte Schwingungen und Drahtunruhe

Produktqualität

– Verbesserte Litzengeometrie

– Konstanter Außendurchmesser bei Adern

– Weniger Ausschuss

Produktivität

– Wegfall von Stillstandzeiten in der Extrusion

– Höhere Anlagenverfügbarkeit

Anlagenintegration

– Kompakte Bauweise

– Nachrüstbarkeit in bestehende Linien

Industrielle Bedeutung

Der „Boxspeicher“ adressiert zwei zentrale technologische Lücken der Kabelindustrie:

– die fehlende Kombination aus Effizienz und Präzision in der Litzenfertigung

– die mangelnde Kontinuität in der Aderextrusion

Durch den einheitlichen Systemansatz entsteht eine neue Qualität der Prozessführung. Draht- und Kabelhersteller können ihre Produktion sowohl hinsichtlich Output als auch Produktqualität deutlich verbessern, ohne grundlegende Änderungen an bestehenden Anlagenstrukturen vornehmen zu müssen. 

Kurre Systems

Industriestraße 5

26683 Saterland-Ramsloh

Ansprechpartner ist Thorsten Wilde

Tel.: + 49 4498 9250-120

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