20.12.23 – Schuler-Platinenschneidanlagen

„Der Einsatz von Laser Blanking Lines spart Werkzeugkosten im Millionenbereich!“

Die Schuler-Gruppe ist vor allem durch ihre Pressen-Linien bekannt. Das Unternehmen forciert aktuell am Standort Heßdorf bei Erlangen die Produktion von Platinenschneidanlagen mit Laserzelle. Wo sieht Schuler Zukunftspotenziale, was können diese Anlagen leisten?

Ein Gespräch mit Bernhard Köhler, Vertriebsleiter Platinenschneidanlagen.

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Bernhard Köhler, Vertriebsleiter Platinenschneidanlagen. © Schulergroup

 
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Mit dem Laser Blanking-Verfahren können große Stückzahlen ohne den Einsatz von konventionellen Werkzeugen fertigbearbeitet werden. © Schulergroup

 
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BRP: Mit dem Einstieg von Bau und Einsatz von Platinenschneidanlagen größeren Stils in das so genannte Laser Blanking erweitert Schuler sein Portfolio immens und steigt damit massiv auch in die Disziplin der Blechbearbeitung ein. Warum gehen Sie diesen Schritt jetzt so entschieden?

 Köhler: Die Laser Blanking Lines von Schuler sind eine grundlegend neue Technologie. Die Besonderheit besteht darin, dass die Platinen aus dem kontinuierlich laufenden Blechband geschnitten werden – wir nennen das „Direct Flow Technology“. Anders als bei vergleichbaren Anlagen gibt es bei unserer Technologie also keine abrupten Brems- und Beschleunigungsvorgänge, was sich positiv auf den Produktionsprozess und die Lebensdauer der Anlage auswirkt. Von dem schonenden Transport profitiert darüber hinaus die Teilequalität.

 

BRP: Was bedeutet so ein Schritt technologisch, also in Hinblick auf die Auslegung von Maschinen, Hallen, Fertigungslinien, natürlich auch bei Ihren Kunden?

 Köhler: Im Vergleich zu einer Platinenschnittlinie mit Presse sind die baulichen Voraussetzungen viel niedriger. So ist beispielsweise ein deutlich kleineres Fundament nötig, und Kräne sind nur noch für den Transport der Coils nötig und nicht mehr für die Werkzeuge – die braucht eine Laser Blanking Line nämlich nicht. Dadurch entfällt auch der entsprechende Platz zur Lagerung der Werkzeuge. Das macht die Laser Blanking Lines zum Beispiel auch für Steel Service Center interessant, die in der Regel nicht über die Infrastruktur zur Installation herkömmlicher Platinenschneidanlagen verfügen. Bezüglich der Vorschübe und Schnittbreiten gibt es keine Unterschiede, auch die Ausbringungsleistungen sind vergleichbar. Bei den Oberflächengüten und Schneidkanten sind die Laser Blanking Lines jedoch ebenfalls überlegen.

 

BRP: Wo sehen Sie eindeutige Vorteile im Laser-Blanking gegenüber anderen Schneid-, Trenn- und Pressverfahren, evtl. auch im nachgelagerten Fertigungsprozess?

 Köhler: Der Wegfall von Werkzeugen ist hier sicherlich an erster Stelle zu nennen. Das spart nicht nur viel Platz, sondern auch Kosten im Millionenbereich und verleiht der Flexibilität einen regelrechten Schub: Anstatt monatelang auf die Fertigung eines Werkzeugs zu warten, programmiert man einfach eine Schnittkontur oder übernimmt sogar einfach nur vorhandene Daten in das System. Eine Änderung oder Optimierung ist ebenfalls mit wenigen Mausklicks erledigt – flexibler geht es nicht.

 

BRP: Bemühen wir hier mal die aktuellen Schlagworte „CO2-Footprint“, „Nachhaltigkeit“, und „Ressourcenschonung“: Können Sie hierzu Aussagen treffen und diese auch mit konkreten Daten und Beispielen unterlegen?

 Köhler: Eine Laser Blanking Line benötigt unseren Messungen zufolge etwa zehn Prozent weniger Energie als eine Schnittlinie mit Presse. Die Einsparung durch den Verzicht auf Werkzeuge, die für eine herkömmliche Anlage konstruiert, gebaut sowie hin- und hertransportiert werden, ist da noch gar nicht eingerechnet. Hinzu kommt auch die verbesserte Materialausnutzung durch das „Nesting“ der Schnittkonturen, wodurch unsere Kunden mehr Platinen pro Coil produzieren können.

 

BRP: Welche Schwierigkeiten sind in Hinblick auf effektive Platinenschneidanlagen im Engineering-Bereich konstruktiv zu lösen? Wo und ab welchen Stückzahlen machen diese Anlagen Sinn?

 

Köhler: Die Entwicklung der Direct Flow Technology und die damit verbundene elektronische Synchronisierung der hochdynamischen Laser-Schnittköpfe hat uns ehrlich gesagt schon vor die eine oder andere Herausforderung gestellt. Unter anderem dank einer konsequenten Leichtbauweise ist es uns jedoch gelungen, das Verfahren auch im Drei-Schicht-Betrieb eines anspruchsvollen industriellen Umfelds zu etablieren. Ab einer produzierten jährlichen Zahl von etwa 500 000 Platinen sollte man die Investition in eine Laser Blanking Line ernsthaft in Betracht ziehen.

 

BRP: Von welchem Investitionsvolumen sprechen wir hier, wenn wir über eine neue Schuler-Platinenschneidanlage sprechen?

 Köhler: Das ist vergleichbar mit einer konventionellen Pressen-Schnittlinie.

 

BRP: Sie sind diesen Schritt in eine andere Fertigungsdisziplin ja nicht einfach so gegangen, wo versprechen Sie sich Märkte und Zukunftspotentiale?

 Köhler: Neben den bereits erwähnten Steel Service Centern entscheiden sich derzeit auch viele Hersteller von Elektroautos, die neue Produktionswerke auf der ganzen Welt bauen, für eine Laser Blanking Line – die Vorteile in Bezug auf die hohe Flexibilität und die niedrigen baulichen Voraussetzungen sprechen hier einfach für sich. Mittelständische Kunden schätzen vor allem die hohen Materialeinsparungen, die sich durch die Technologie erzielen lassen.

 

Das Interview führte BLECH+ROHRE+PROFILE-Chefredakteur Tilo Michal.

https://laserblanking.schulergroup.com/de/