28.04.26 – Interview
Was bringt der Rüstungsboom dem Schweißen und Schneiden?
Die weltweiten Rüstungsausgaben haben 2024 rund 2,7 Bio. US-Dollar erreicht – zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Wem bringt das was? Ein Interview mit Marc Rixecker, Senior Manager Marketing Dillinger Saarstahl/SHS.
Die Zahlen oben gehen aus dem jüngsten Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts (SIPRI) hervor. Eine Entwicklung, die vor allem durch steigende Verteidigungsetats in Europa getrieben wird. Auf den rasant wachsenden Bedarf an gepanzerten Fahrzeugen, Geschützen und Kampfjets haben die europäischen Stahlhersteller reagiert. In den vergangenen Monaten haben sie zahlreiche neue Stahlgüten für die Rüstungsindustrie zertifizieren lassen und auf den Markt gebracht. Was heißt das für die Verarbeitung der Stähle, vor allem für das Schweißen und Schneiden?
Was ist beim Schweißen und Schneiden von Sicherheitsstählen zu beachten?
MR: Grundsätzlich handelt es sich bei unseren DIFENDER Güten um legierte Vergütungsstähle, die gut zu verarbeiten sind im Hinblick auf Trennen, Schweißen, Biegen oder der mechanischen Bearbeitung. Einige Kenntnisse in der Verarbeitung sollten jedoch Voraussetzung sein. Beim Schneiden ist besonders auf das richtige Vorwärmen/Nachwärmen zu achten. Je nach Güte, je härter und höher legiert, sollten diese möglichst „kalt“ geschnitten werden, beispielsweise auf Wasserstrahlanlagen, um den Wärmeeintrag so gering wie möglich zu halten. Auch das Personal, das diese Stähle verarbeitet, sollte entsprechende Kenntnisse besitzen oder geschult werden.
Welche Fähigkeiten müssen Schweißer und die Bediener von Schneidgeräten besitzen?
MR: Es sollten möglichst erfahrene Bediener sein. Je nach Aufgabengebiet und Anforderung an das geschweißte Teil müssen diese auch gesondert geschult werden und eine qualifizierte Prüfung ablegen nach DIN2303, so z.B. die Q3. Diese Norm müssen Betriebe erfüllen, die mit Panzerwerkstoffen arbeiten.
Wie und wo kann man sich für die Verarbeitung der genannten Stähle ausbilden lassen?
MR: Maßgeblich ist die DIN 2303. Man muss Rücksprache mit dem WiWeb (Wehrwissenschaftliches Institut für Werk- und Betriebsstoffe) und der WTD (Wehrtechnische Dienststelle) der Bundeswehr halten. Dann kann man einen Qualifizierungsprozess durchlaufen. Es gibt Unternehmen, die sich auf die Ausbildung von Schweißern nach Q3 spezialisiert haben. Hier können die entsprechenden Mitarbeitenden geschult werden.
Welche Schweiß- und Schneidverfahren werden vorwiegend angewandt?
MR: Beim Schneiden sind je nach Güte und Dicke des DIFENDER Blechs Autogen-, Plasma-, Laser- oder Wasserstrahlschneiden möglich. Beim Schweißen wird in der Regel das Verfahren MAG-Schweißen angewandt, das bei hochlegierten Stählen weit verbreitet ist.
In welchen Bereichen wächst die Nachfrage nach Sicherheits- und Panzerstählen besonders?
MR: Die steigende Nachfrage nach unseren DIFENDER Güten reicht vom zivilen bis zum militärischen Bereich: von geschützten Limousinen und Geldtransportern bis hin zu gepanzerten Fahrzeugen des Militärs.
Haben Sie noch einen grundsätzlichen Tipp für die Verarbeiter von Sicherheitsstählen?
MR: Am besten im Vorfeld Rücksprache mit dem Stahl-/Blechproduzenten halten, die entsprechenden Verarbeitungshinweise berücksichtigen und geschultes Personal einsetzen.
(Das Interview führte die Urban Steel Expo).
Welche weiteren Trends werden die Welt des Schweißens und Schneidens verändern? Diese Frage beantwortet die Urban Steel Expo (USE) 2027, The Ultimate World of Cutting and Welding bei ihrer Premiere auf dem Gelände der Messe Düsseldorf. Termin: 20. bis 23. April 2027.




