11.02.26 – TU Chemnitz
Unterstützung für die Rohr- und Profilindustrie aus der Wissenschaft
Das Institut Umformtechnik der TU Chemnitz startet ein ZIM-Netzwerk, das sich auf die Wertschöpfungskette von Rohr- und Profilprodukten fokussiert.
Das Netzwerk verfolgt das Ziel Unternehmen bei Forschung, Entwicklung, Vernetzung, Öffentlichkeitarbeit und Personalgewinnung sowie der Fördermittelakquise zu unterstützen. Die Koordination des Netzwerkes erfolgt durch die Professur Umformtechnik der Technischen Universität Chemnitz. Im Bereich Forschung und Entwicklung unterstützt das Netzwerkmanagement die beteiligten Unternehmen zunächst bei der Identifikation von Entwicklungsbedarfen und technologischen Potenzialen. Auf dieser Grundlage werden konkrete Forschungs- und Entwicklungsvorhaben abgeleitet, geeignete Partner aus Industrie und Forschung eingebunden und Möglichkeiten für öffentliche Förderungen geprüft.
Administration klein halten
Als Netzwerkmanagementeinrichtung übernimmt die Technische Universität?Chemnitz die Koordination der Antragstellung für geförderte Projekte der Netzwerkpartner. Dadurch bleibt der administrative Aufwand für die Unternehmen überschaubar, und die Mitgliedsunternehmen können sich auf ihre eigentlichen technologischen Entwicklungen konzentrieren. Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) profitieren dabei von den für KMUs besonders attraktiven Fördersätzen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (ZIM). Dieses fördert die beteiligten Unternehmen bei Durchführbarkeitsstudien, Forschungsprojekten, Kooperationen mit Forschungseinrichtungen als auch bei der Markteinführung. Das Netzwerk steht auch Großunternehmen und Forschungseinrichtungen offen, da sich das Netzwerk auch positiv auf die Beantragung anderer Förderformen auswirkt. Möglich ist hier zum Beispiel die Teilnahme an nationalen und internationalen Projekten. Aktuelle laufende Projekte sind unter anderem die europäischen Projekte effiTUBE (Herstellung von Innenhochdruck-umgeformten Rohrprodukten aus QP-Stahl), HOOPLA (Verarbeitungs- und Oberflächeneinfluss auf die Wasserstoffbeständigkeit von Leitungsstählen) und CladPipe4H2 (Herstellung von plattierten Rohren für die Wasserstoffwirtschaft).
Durch die Netzwerkkoordination, regelmäßige Netzwerktreffen sowie gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsprojekte entsteht eine enge Zusammenarbeit von Industrie und Forschungseinrichtungen. Diese ist davon geprägt, dass die wissenschaftlichen Partner ihr technisches Knowhow, ihr Personal und ihre Ausrüstung zur Unterstützung der Unternehmen einbringen. Das kann folgende Aufgaben umfassen:
- Analyse komplexer Fertigungsprozesse mittels experimenteller und numerischer Methoden,
- Digitalisierung von Werkzeuge, Anlagen und Prozessen,
- Auswahl und Einsatz neuer und innovativer Werkstoffe,
- Implementierung neuer Fertigungsverfahren oder -prozessketten
- Nutzung von Prüfverfahren, Messstrategien und Prozessmodellen.
Darüber hinaus unterstützt das Netzwerk auch im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Personal, z.B. durch die Organisation von gemeinsamen Messeauftritten (z.B. Tube, Düsseldorf), medialer Berichterstattung als auch durch Informations- und Bildungsangebote innerhalb des Netzwerkes für Kunden oder den Nachwuchs.
Durch bisherige und aktuelle Forschungsarbeiten kann die Professur Umformtechnik bereits einen Teil der netzwerkrelevanten Prozesse entlang der Wertschöpfungskette abbilden: So wird im Bereich Rollformen und Biegen derzeit die Verarbeitung von Blechwerkstoffen für die Elektromobilität und für Wasserstoffanwendungen untersucht. Auch Recyclate gewinnen hier an Bedeutung. Technologische Schwerpunkte im Bereich der thermischen Füge- und Prozesstechnologie sind aktuell das Hochfrequenz-Induktionsschweißen (HFI-Schweißen), die Schweißnahtbearbeitung und die Wärmebehandlung. Gegenstand der Untersuchungen sind dabei experimentelle Versuche und numerische Simulationen zum HFI-Schweißen, um die komplexen Wechselwirkungen zwischen Stromverteilung, Temperaturfeld, Stauchkraft, Mikrostruktur und Nahtbildung besser zu verstehen und die Prozessstabilität zu verbessern. Zudem können durch die lokale induktive Erwärmung die Werkstoffeigenschaften während des Prozesses aber auch im finalen Produkt gezielt eingestellt werden. Weitere Schwerpunkte sind die Miniaturisierung von Rohrprodukten sowie die Integration von Zusatzoperationen, z.B. zum Trennen. Zur Auslegung und Erprobung der Prozesse werden dabei sowohl experimentelle als auch simulative Methoden eingesetzt. Für die experimentellen Untersuchungen stehen an der Forschungseinrichtung unter anderem eine Rollformanlage, eine HFI-Rohrschweißanlage und ein thermomechanischer Simulator für die Untersuchung von HF-Schweißprozessen zur Verfügung. Über entsprechende Messtechnik können die Bauteil- aber auch Prozessabweichungen (siehe Bild) detektiert werden, die anschließend zur Prozessanpassung dienen.
Der Initiator
Die Professur Umformtechnik der TU Chemnitz greift in ihrer Rolle als Netzwerkmanagement-Einrichtung auf umfangreiche Erfahrung zurück. Dazu zählt das Management folgender Netzwerke:
- SELECT – Selektive Erwärmung für ressourcen- und energieoptimierte Fertigungsprozesse (Link: https://www.select-netzwerk.de),
- SCALE – Skalierung von Fügetechnologien in Produktionsprozessen für mikro- und makroskopische Anwendungen (Link: https://www.scale-netzwerk.de) sowie
- BIG – Blech individuell geformt (Link: https://www.big-netzwerk.de).
Es wird angestrebt, das Netzwerk im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) fördern zu lassen. Damit trägt das BMWE bis zu drei Jahre lang den Hauptteil der Kosten, sodass sich das Konsortium auf die Präzisierung der Forschungsthemen konzentrieren kann.
Info
Tube Düsseldorf
TU Chemnitz: Halle 7a, Stand D017
https://www.tu-chemnitz.de/mb/UT




