07.01.26 – BLM Group

So funktioniert Vernetzung in der Rohr- und Blechverarbeitung

Die BLM Group startet mit einem Innovationsfeuerwerk ins neue Jahr. Der Fokus liegt dabei auf der Automatisierung und der Vernetzung der Prozesse.

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Das bislang Unmögliche möglich gemacht – unter diesem Motto präsentierte die BLM group mit der ELECT150 eine ihrer größten vollelektrischen Biegemaschinen. Auch sie ist mit einem Innendorn ausgestattet. © BLM Group

 
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Deutschland-Geschäftsführer Andreas Köster führte die deutschen Besuchergruppen an mehreren Tagen durch die Hausmesse Innova. © BLM Group

 
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Mit ihrer All-in-One-Technologie hat die italienische Unternehmensgruppe in einzigartiger Weise das Rohrlaserschneiden und das Rohrbiegen integriert. In Levico Terme konnten geladene Gäste aus dem In- und Ausland und Kunden aus der ganzen Welt im Herbst schon die Neuheiten inspizieren. Botschaft: Künftig wird ein All-in-One-Prozess auch das Laserschweißen einbeziehen.

Mit jeder Veranstaltung entwickelt sich die BLM-Hausmesse Innova mehr und mehr zum internationalen Gipfeltreffen der Rohr- und Blechverarbeiter. Die Zahlen der diesjährigen Hausmesse sprechen für sich: Mehr als 2000 Gäste aus aller Welt reisten nach Norditalien. Insgesamt waren es mehr als 800 Unternehmen, gut 10 % davon aus Deutschland. Auf mehr als 10.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche sahen Besucher knapp 30 technische Innovationen im Live-Betrieb – sowie zahllose Beispiele für Werkstücke und Fertigprodukte, die Kunden mit ihren Technologien herstellen. Zudem nutzten mehr als 20 Universitäten und Forschungsinstitute die Innova, um gemeinsam mit den Experten der italienischen Unternehmensgruppe in die Zukunft der Rohr- und Blechverarbeitung zu blicken. „Angesichts des intensiven Wettbewerbsdrucks in unserer globalisierten Welt entscheiden die Innovationskraft der europäischen Unternehmen und die Effizienz ihrer Produktionsprozesse mehr denn je über den Wohlstand auf unserem Kontinent. Auf der Innova 2025 zeigen wir Ihnen, dass wir in beiden Bereichen in der Oberliga spielen: Zum einen präsentieren wir wegweisende Innovationen für die Verarbeitung von Rohren, Draht und Blech, die unser Portfolio weiter vervollständigen. Zum anderen sehen Sie in unserem Werk ADIGE 7 die – auf neuesten Fertigungs-Philosophien basierende – Produktion unserer Rohrlaser LT7 und LT8.20“, so Deutschland-Geschäftsführer Andreas Köster in seiner Begrüßung. „Mit unseren Technikangeboten und zugehörigen Services wollen wir Ihr Partner sein, der Sie langfristig ihre Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit sichert.“

Zukunftssicherheit

Das Leitthema der in mehrere ‚Tech Hubs‘ unterteilten Innova 2025 lautete ‚Turn on the light‘ - ‚Das Licht einschalten‘. Köster: „In der Industrie ist zunehmend von ‚Dark Factories‘ die Rede. Also von dunklen Fabriken mit automatisierten, auf maximale Effizienz getrimmten Prozessen, die nur wenige menschliche Eingriffe erfordern und deshalb kaum beleuchtet werden müssen. Doch hinter automatisierten Fertigungsprozessen steckt stets die menschliche Intelligenz, die diese Prozesse entwickelt, realisiert und optimiert hat. Das wollen wir mit dem Motto ‚Turn on the light‘ betonen.“ So bildeten automatisierte – zum Teil KI-gestützte – Lösungen, die im unbeaufsichtigten Betrieb rund um die Uhr produzieren können, einen Themenschwerpunkt der Veranstaltung. Darunter viele Lösungen, die in jüngerer Vergangenheit in dieser oder ähnlicher Form bei Kunden realisiert wurden.

Zu den Highlights im Tech Hub 2 zählte ein komplett integrierter Fertigungsprozess, bei dem der Materialfluss mit fahrerlosen Transportfahrzeugen (AGV / Autonomous Guided Vehicles) und Robotern weitgehend automatisiert war. In dieser Multitechnologie-Installation wurden Ovalrohre zunächst mit den neuen 2D-Rohrlaser LTX auf Länge geschnitten, mit einem Roboter sortiert in Transportboxen entladen und anschließend mit einem AGV zu einer Transferstation gefahren. Hier nahm ein weiterer Roboter die Rohre aus den Boxen und legte sie in eine vollelektrische Biegemaschine E-TURN40 ein. Nach dem Biegen wurden die Teile über eine Rutsche in Transportboxen entladen. Im nächsten Arbeitsschritt legte sie ein Maschinenführer in das 3D-Laserschneidesystem LT-FREE der BLM GROUP ein. Aufgabe dieser mit einem 5-achsigen Schneidkopf ausgestatteten CNC-Maschine war es, die Teile zu besäumen und in den Biegungen Geometrien auszuschneiden. Die LT-FREE wurde für die Verarbeitung gebogener Rohre und anderer dreidimensionaler Werkstücke entwickelt. Die erforderlichen Auflagesysteme und Halterungen können Kunden mit ihrer CAM-Software ArGo auf einfache Weise generieren und mit der LT-FREE produzieren.

Vis-a-vis dieser Maschine war die neue High-End-Laserschweißzelle LW-S mit Roboter, doppelter D-Achs-Position und Wobbling-Kopf installiert. Sie kann wärmeleitungs-, kaltdraht-, lmpuls- und stichlochschweißen, zeichnet sich also durch höchste Flexibilität aus. Die Pendelbewegung ihres Wobbling-Kopfs ermöglicht es, Materialien auch bei breiteren Schnittspalten zuverlässig zu verschmelzen. Auf der Innova wurden die zuvor mit der LTX geschnittenen, mit der E-TURN40 gebogenen und mit der LT-FREE 3D-lasergeschnittenen Rohrkomponenten zu Demo-Zwecken mit verschiedenen Blechelementen verschweißt. Über die großen Monitore auf den Außenseiten der LT-FREE und der LW-S konnten die Gäste diese Verarbeitungsprozesse im Inneren der Maschinen live verfolgen.

Auf Anhieb einwandfreie Teile

Mit ihrer All-in-One-Technologie habe die Unternehmensgruppe seit vielen Jahren eine Art Alleinstellungsmerkmal im Markt. Dies betonte man in Levico Terme. Diese Technologie ermöglicht eine direkte Kommunikation zwischen ihren Rohrlasern und ihren Biegemaschinen. So können diese die im Biegeprozess auftretenden Dehnungen und Rückfederungen automatisch kompensieren. Das Ergebnis sind auf Anhieb einwandfreie Teile, die den Spezifikationen entsprechen, die von Kunden vorgegeben werden. In der Herstellung von Werkstücken aus gebogenen Rohren mit Ausschnitten und Bohrungen fallen damit Testbiegungen praktisch weg. Künftig wird auch das Laserschweißen mit der LW-S in ihre All-in-One-Technologie integriert – mit dem Ziel, Prozessdaten aus dem Rohrlaserschneiden und -biegen auch für die Optimierung des Schweißprozesses zu nutzen. „Zum Beispiel bei Rundrohren wissen wir, welche Geometrien unsere Rohrlaser geschnitten haben. Sie werden diese Informationen künftig auch an unsere LW-S übergeben können“, nannte Köster ein Beispiel. „Da wir sowohl unsere Maschinen als auch ihre Software selbst entwickeln, stehen uns alle Möglichkeiten offen, sie in einer solchen Tiefe zu integrieren“, brachte der Geschäftsführer den Vorteil auf den Punkt.

Hier kommen auch die Active Tools ins Spiel, die man optional für ihre Rohr- und Blechlaser sowie die LW-S anbietet. Diese Werkzeuge optimieren automatisch verschiedene Prozessparamater. So produzieren die Maschinen selbst bei unvollkommenen Materialien perfekte Ergebnisse – unabhängig von den Erfahrungen ihrer Bediener. Auch diese intelligenten Lösungen wurden auf der Innova 2025 im Live-Betrieb präsentiert.

Automatisierung für alle Anforderungen

Unter dem Motto „From one Machine – to an integrated Work Cell“ gab es im Tech Hub 2 eine Reihe weiterer automatisierter Fertigungszellen zu sehen. Unter anderem wurde hier das Zusammenspiel der multifunktionalen Rohrverarbeitungsmaschine 4-RUNNER mit einer vollelektrischen, mit mehreren Werkzeugen ausgestatteten Umformmaschine AST8-VE gezeigt. Die von der 4-RUNNER vom Coil ohne Biegeinnendorn produzierten Teile aus Kupferrohr wurden mit einem Roboter an die AST8-VE übergeben und nach der Umformung ihrer Enden in einem 100%-Inspektionssystem auf Maßhaltigkeit hin geprüft. Das stellte sicher, dass die Geometrie der in diesem automatisierten Prozess für den HLK-Markt (Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik) hergestellten Teile den Vorgaben entsprachen.

Schlag auf Schlag Innovationen

Im Tech Hub 1 zählte der brandneue Rohrlaser LT14 FIBER mit Faserlaser für die Verarbeitung von Rohren mit Außendurchmessern von 25 bis 355 mm und großen Profilen mit Stangengewichten bis 100 kg/m zu den Highlights. Sein innovativer Dreifach-Faserlaser erlaubt bei dünnen Wandstärken höhere Schneidgeschwindigkeiten und bei dickeren Materialien höhere Qualität. Auch die LT14 FIBER bewegt ihren Schneidkopf mit einem 5-Achs-Portal. So kann das Material während des Schneidprozesses starr liegen bleiben. Dank der daraus resultierenden Genauigkeit erfordern mit der LT14 FIBER produzierte Werkstücke keine Nachbearbeitungen. Vorteile: niedrige Stückkosten und signifikante Zeitgewinne in der Herstellung von Teilen aus großen Rundrohren, Quadratrohren, Rechteckrohren, offenen Profilen und Sonderprofilen. Die LT14 FIBER kann für Beladelängen von 12,5 bis 16,5 m konfiguriert werden. Angesichts dieser Materialdimensionen ist die Maschine mit zwei Lünetten und einem Spannstock ausgestattet, jeweils hydraulisch unterstützt und schwimmend gelagert. Indem der Spannstock (die hintere Spindel) im „Null-Abfall-Modus“ wegfährt, kann ihr Laser auch am Stangenende arbeiten. So nutzt die LT14 FIBER das zu verarbeitende Material optimal aus.

„Bis dato war die LT14 mit einer CO2-Laserquelle ausgestattet. Die technische Entwicklung hat es möglich gemacht, den Schnittspalt von Faserlaserquellen auf 150 Mikron zu vergrößern. Somit ist diese Technologie auch für die Verarbeitung großer Rohre und Profile interessant geworden“, stellte Köster fest. Blieb die Herausforderung, den Arbeitsbereich der Maschine so zu kapseln, dass die Strahlung des Faserlasers ihre Bediener nicht gefährdet. Bei der LT14 FIBER stellt eine Schleuse sicher, dass sie geschnittene Teile entladen können, während die Maschine andere Materialien schneidet. Der Prozess wird dadurch nicht verlangsamt.

Mit der LT6 feierte ein weiterer Rohrlaser mit 3D-Schneidkopf Tube Cutter Weltpremiere. Diese besonders kompakte Maschine verarbeitet Rohre mit Durchmessern von 12 bis 152,4 mm und Profile mit Stangengewichten bis 18 kg/m. Kurz: Das stetig erweiterte Rohrlaser-Portfolio der BLM GROUP ermöglicht Kunden, ihre Anforderungen gezielter denn je abzudecken.

Im Tech Hub 1 wurde erstmals auch der brandneue, kompakte 2D-Flachbettlaser LS9 für Metall präsentiert. Die LS9 ist an allen Achsen mit Linearmotoren ausgestattet, die hohe Beschleunigungen ermöglichen und in der Verarbeitung dicker Metallmaterialien (bei Stahl, Edelstahl und Aluminium bis 40 mm) höchste Genauigkeit sowie Prozessstabilität sicherstellen. Die LS9 ist mit einem Zoom-Faserlaser-Schneidkopf der neuesten Generation mit wahlweise 12 oder 20 kW Leistung lieferbar und zeichnet sich durch ultraschnelle Palettenwechsel binnen 9 Sekunden aus.

Schließlich dokumentierte die BLM Group im Tech Hub 1 ihre mehr als 60jährige Praxiserfahrung im Rohrbiegen. Mit der E-TURN63 für das Rechts- und Linksbiegen im Prozess von Rohren mit Durchmessern bis 63,5 mm und Wandstärken bis 2 mm war hier eine weitere Weltneuheit im Live-Betrieb zu sehen. Sie rundet die bisherige E-TURN-Familie nach oben ab. „Unsere Biegemaschinen sind vollelektrisch und können mit einem Innendorn ausgestattet werden. Das ist unser Qualitätsanspruch, der auch für die neue E-TURN63 gilt“, so Köster.

Schnellste Produktionswechsel

Indem sie die Einstellarbeiten ihrer Maschinen kontinuierlich weiter automatisiert, ermöglicht die BLM GROUP Kunden immer schnellere Auftragswechsel. So zeigte sie zum Beispiel für ihre Biegemaschinen mit Plug & Bend eine brandneue Lösung, die hier die Werkzeugwechsel in revolutionärer Weise vereinfacht. Viele Kunden in aller Welt haben sich auch deshalb für eine Partnerschaft mit der BLM Group entschieden, weil die Lösungen ihrer Software-Suite BLMelements die Arbeit der Maschinenführer signifikant erleichtern und sie sicher zum Ziel führen. So waren auch die CAD/CAM-Software ArTube und der Composer für die Programmierung der Rohrlaser, der PartViewer für die Simulation des Produktionsprozesses dieser Maschinen und die Angebotserstellung, die CAD/CAM-Programmierung und Simulation der Rohr- und Drahtbiegemaschinen und ArGo für die Programmierung und Simulation der 3D-Laserschneidesysteme auf der Innova 2025 Publikumsmagnete. Gleiches galt für das MES (Manufacturing Execution System) Prometheus, das alle angebundenen Maschinen steuern kann. Mehr und mehr Kunden integrieren diese zentrale Produktionssteuerung mit ihren ERP-Systemen.

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