22.04.26 – Dreher Automation

Flexible Platinenfertigung via Laserblanking

Mit dem Laser-Blanking etabliert sich eine alternative Technologie, die auf einen werkzeuglosen Schneidprozess setzt. Die Konturen der Platinen werden vollständig digital definiert und durch einen Laser aus dem Bandmaterial geschnitten.

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Beispiel einer Laser Blanking Line. © Dreher Automation

 
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... kann auch so aussehen. © Dreher Automation

 

Werkzeuglose Schneidtechnologie eröffnet neue Spielräume für Variantenvielfalt, Effizienz und digitale Produktionskonzepte: Die industrielle Produktion steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Globale Märkte verändern sich schneller, Produktlebenszyklen werden kürzer und die Variantenvielfalt steigt kontinuierlich. In diesem Umfeld gewinnt ein Prinzip zunehmend an Bedeutung: Flexibilität. Produktionssysteme müssen heute nicht mehr nur hohe Stückzahlen effizient bewältigen, sondern sich ebenso schnell an neue Anforderungen anpassen können. Genau hier setzt eine Technologie an, die in der Platinenfertigung zunehmend an Bedeutung gewinnt – das Laser-Blanking.

 Vom Handwerk zur digitalen Flexibilität

 Flexibilität ist kein neues Konzept. Schon lange bevor industrielle Serienproduktion entstand, war sie ein grundlegendes Prinzip wirtschaftlichen Handelns. Handwerker fertigten Produkte individuell und reagierten direkt auf Kundenanforderungen. Mit der industriellen Revolution verlagerte sich der Schwerpunkt jedoch deutlich: Standardisierte Prozesse, spezialisierte Maschinen und arbeitsteilige Fertigungsstrukturen ermöglichten enorme Produktivitätssteigerungen. Gleichzeitig ging ein Teil der Anpassungsfähigkeit verloren.

 Erst im Laufe des 20. Jahrhunderts rückte Flexibilität wieder stärker in den Fokus. Märkte wurden dynamischer, Produktlebenszyklen verkürzten sich und Unternehmen mussten schneller auf Veränderungen reagieren. Produktionskonzepte wie Lean Manufacturing, modulare Anlagenstrukturen oder verkürzte Rüstprozesse entstanden aus dieser Entwicklung.

 Heute führt die Digitalisierung diesen Wandel auf eine neue Ebene. Sensorik, vernetzte Anlagen und datenbasierte Prozesssteuerung ermöglichen Produktionssysteme, die sich nahezu in Echtzeit anpassen können. Flexibilität bedeutet dabei nicht mehr nur schnelle Umrüstung, sondern die Fähigkeit, Variantenvielfalt wirtschaftlich zu beherrschen und Produktionskapazitäten dynamisch zu skalieren.

Press-Blanking als industrieller Standard

 In der Platinenfertigung war über viele Jahrzehnte das Press-Blanking die dominierende Technologie. Mechanische Pressen bieten hohe Taktzahlen und stabile Prozesse und gelten daher besonders bei großen Produktionsvolumina als äußerst wirtschaftlich. Die Technologie ist jedoch eng mit werkzeuggebundenen Prozessen verbunden. Für jede Bauteilgeometrie werden spezifische Schneidwerkzeuge benötigt. Neben den Investitionskosten für diese Werkzeuge spielen auch Rüstzeiten, Lagerhaltung und mechanischer Verschleiß eine Rolle. Änderungen an der Bauteilgeometrie oder häufige Variantenwechsel können dadurch zusätzliche Aufwände verursachen. Gerade in Produktionsumgebungen mit steigender Variantenvielfalt stoßen klassische Presslinien daher zunehmend an ihre Flexibilitätsgrenzen.

 Laser-Blanking als digitales Fertigungsprinzip

 Mit dem Laser-Blanking etabliert sich eine alternative Technologie, die auf einen werkzeuglosen Schneidprozess setzt. Die Konturen der Platinen werden vollständig digital definiert und durch einen Laser aus dem Bandmaterial geschnitten. Anpassungen an der Bauteilgeometrie erfolgen somit über Datensätze – mechanische Umrüstungen sind nicht erforderlich.Diese Eigenschaft eröffnet neue Möglichkeiten für flexible Produktionskonzepte. Variantenwechsel lassen sich ohne Produktionsunterbrechung realisieren, wodurch sich insbesondere bei kleineren und mittleren Losgrößen wirtschaftliche Vorteile ergeben können. Gleichzeitig ermöglicht intelligentes Nesting eine verbesserte Materialausnutzung.

 Auch aus struktureller Sicht bietet die Technologie einige Vorteile. Laseranlagen benötigen in der Regel weniger massive Fundamentierungen als große Pressen, erzeugen weniger mechanischen Verschleiß und lassen sich vergleichsweise einfach in digital vernetzte Produktionsumgebungen integrieren. Zudem entfällt der manuelle Wechsel schwerer Werkzeuge, was auch die Arbeitssicherheit verbessert.

Wirtschaftlichkeit im richtigen Einsatzbereich

 Trotz dieser Vorteile bleibt Press-Blanking weiterhin ein weiterer Bestandteil der industriellen Produktion. Insbesondere bei sehr hohen Stückzahlen können mechanische Pressen ihre Stärken noch ausspielen und eine äußerst kosteneffiziente Serienfertigung ermöglichen. Laser-Blanking hingegen spielt seine Vorteile vor allem dort aus, wo Flexibilität entscheidend ist – beispielsweise bei häufig wechselnden Geometrien, steigender Variantenvielfalt oder kleineren Losgrößen. In vielen Produktionsumgebungen zeichnet sich daher eine Koexistenz beider Technologien ab. Die entscheidende Frage für Unternehmen lautet weniger, welche Technologie grundsätzlich überlegen ist, sondern welche Lösung am besten zur eigenen Produktionsstrategie passt.

 Mit der zunehmenden Digitalisierung der Fertigung gewinnen auch datenbasierte Analysewerkzeuge an Bedeutung. Künstliche Intelligenz kann Produktionsdaten auswerten, Wirtschaftlichkeitsgrenzen berechnen und unterschiedliche Szenarien simulieren. Dadurch erhalten Unternehmen zusätzliche Entscheidungsgrundlagen für Investitionen und Prozessoptimierungen. Darüber hinaus eröffnet die digitale Vernetzung einzelner Fertigungsschritte neue Möglichkeiten. Ein Gedanken-Beispiel ist die potenzielle Integration von 2D-Laser-Blanking mit nachgelagerten 3D-Laserschneidprozessen im Hot-Stamping. Wenn Prozessdaten aus dem 3D-Schnitt an das vorgelagerte Blankingsystem zurückgemeldet werden, lassen sich Platinen bereits beim Zuschnitt so optimieren, dass spätere Bearbeitungsschritte reduziert werden. Das Ergebnis können kürzere Prozesszeiten und eine höhere Gesamtanlageneffizienz sein. Langfristig entstehen auf diese Weise vernetzte Produktionssysteme, in denen Daten nicht nur analysiert, sondern aktiv zur kontinuierlichen Verbesserung der gesamten Prozesskette genutzt werden.

Technologischer Wandel in Etappen

 Neue Fertigungstechnologien ersetzen etablierte Verfahren selten abrupt. Häufig entwickeln sie sich zunächst als Ergänzung, bevor sie ihr volles Potenzial entfalten. Auch beim Laser-Blanking zeichnet sich ein solcher Übergang ab. Viele bestehende Produktionslinien könnten sich schrittweise modernisieren lassen – auch beispielsweise durch die Integration von Laserzellen in bestehende Anlagenkonzepte; was im Einzelnen immer zu prüfen ist. Gleichzeitig verbessern sich die technischen Leistungsdaten kontinuierlich. Höhere Laserleistungen, optimierte Steuerungssoftware und verkürzte Zykluszeiten erweitern das industrielle Einsatzspektrum stetig.

 Die Geschichte industrieller Produktion zeigt immer wieder ein Wechselspiel zwischen Spezialisierung und Anpassungsfähigkeit. Während lange Zeit maximale Effizienz im Vordergrund stand, rückt heute die Fähigkeit zur schnellen Anpassung stärker in den Fokus. Laser-Blanking ist in diesem Zusammenhang mehr als nur eine alternative Schneidtechnologie. Es steht exemplarisch für eine Entwicklung hin zu flexibleren, digital vernetzten Produktionssystemen und höherer Variantenfähigkeit.

 Unternehmen wie Dreher Automation verfolgen daher einen technologieoffenen Ansatz und bieten sowohl klassische Press-Blanking-Lösungen als auch moderne Laser-Blanking-Systeme an. Dadurch können Fertigungskonzepte individuell an Anforderungen wie Produktionsvolumen, Variantenvielfalt und Investitionsstrategie angepasst werden.

 Fest steht: Die Zukunft industrieller Fertigung wird nicht allein durch einzelne Technologien bestimmt, sondern durch die Fähigkeit, Produktionssysteme intelligent und flexibel zu gestalten.

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