26.05.26 – 16. Stanzkongress in Dortmund

Was Fußball mit dem Stanzen zu tun hat

„Quo Vadis Stanztechnik"? Der 16. Kongress Stanztechnik hat in Dortmund 200 Fachleute aus Stanz- und Umformtechnik sowie Werkzeugbau zusammengebracht.

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Auf der Podiumsdiskussion am zweiten Kongresstag diskutierten (v.l.) Thomas Unseld, Sven Porepp, Frank Strathoff, Prof. Mario Trapp und Prof. Wolfram Volk . © Strategie X/Sylvia Meyborg

 
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Philipp Niemietz, Geschäftsführer Pulse of Production: „Als Start-up sind wir das erste Mal dabei. Der gute Ruf der Veranstaltung in der Stanztechnikbranche war uns bekannt. Mit einem Stand und einem Vortrag konnten wir unser Start-up optimal präsentieren.“ © auchkomm

 
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Drei Themenblöcke standen im Mittelpunkt: intelligente Automatisierungslösungen, KI-Sprachmodelle sowie Werkstoff-Neuheiten. Begleitet wurde die Veranstaltung von einer Fachausstellung mit 34 Unternehmen. Ein Ausflug ins Fußballmuseum sorgte zudem für ein perfektes Networking-Ambiente.

Smarte Automatisierung

Der erste Tag stand im Zeichen der Automatisierung. Simon Gautschi, Bruderer, stellte die neue B3-Maschinensteuerung vor: Unter dem Leitgedanken „Software Defined Automation" integriert sie Stanzmaschine, Vorschub, Stanzpaketierung und Werkzeugüberwachung in einer Plattform und ist somit die Basis für autonome Entscheidungen im Produktionsprozess.

Christian Maurer, Feintool International Holding, zeigte, wie die Umform-Simulation zur Schlüsseltechnologie bei der Herstellung metallischer Bipolarplatten wird: Ein zweistufiger FEM-Ansatz optimiert physikalische Effekte am Rechner, bevor teure Korrekturen am realen Werkzeug nötig werden.

Sebastian Denz, Stampack, und Markus Peter, Hirschmann Automotive Freyung, präsentierten die wirtschaftlichen Potenziale virtueller Tryouts – von der Reduzierung von Korrekturschleifen bis zur Robustheitsanalyse – sowie KI-gestützte Werkzeugüberwachung per Sensorik und akustischer Analyse.

Angelo Castrignano, Schürholz Stanztechnik, und Christian Franke, Otto Bihler Maschinenfabrik, schilderten, wie sich durch die Integration eines neuen Schweißverfahrens in den Stanzprozess jährlich 85 Millionen Führungshülsen schneller, sauberer, günstiger und hochwertiger fertigen lassen.

Philipp Niemietz baute eine Brücke vom MTI RWTH Aachen zum Geschäftsmodell seines Start-ups Pulse of Production. Das vom Unternehmen entwickelte System zur Werkzeugüberwachung bei Folgeverbundprozessen basiert auf Körperschallsensoren – Verschleiß, Schraubenbruch und weitere Probleme werden so frühzeitig erkennbar.

Torsten Petrick, ANDRITZ Schuler Pressen, erklärte, dass nur ein Fünftel der OEE-Einschränkungen maschinenbedingt sei. Interaktive KI-Systeme statt statischer Dashboards helfen, die übrigen Verluste zu reduzieren.

Wie ein hybrider KI-Agent digitale Zwillinge von Teilen, Coils und Prozessen verknüpft und Produktionsdaten in Handlungsempfehlungen übersetzt, veranschaulichte Sven Porepp, PlockControl GmbH, am Beispiel von PlockMetamorphosis.

Samuel Wolf, vapic GmbH, zeigte anschließend, wie automatisiertes Teilehandling und smarte Reinigungslösungen Produktionsfluss und Kosteneffizienz verbessern.

Den Abschluss des ersten Tages bildete Dr. Christoph Hartmann, Lehrstuhl für Umformtechnik und Gießereiwesen (TUM), mit Methoden zur Ableitung belastbarer Ursache-Wirkungs-Ketten aus Produktionsdaten in mehrstufigen Prozessen.

KI in der Praxis

Prof. Dr. Mario Trapp, Fraunhofer IKS und TU München, eröffnete den zweiten Tag mit einem Überblick über KI-Grundlagen und fünf Schritten zu einer agentischen KI, die mit minimierten Halluzinationen und Auslassungen zuverlässig arbeitet. Frank Strathoff, Fraunhofer-Gesellschaft, berichtete, wie dem Forschungsverbund mit dem Chatbot FhGenie eine breite KI-Nutzung unter Wahrung von Datenschutz und digitaler Souveränität gelingt.

In der Podiumsdiskussion betonte Thomas Unseld, hiqs GmbH, dass KI vor allem für repetitive Arbeiten gut nutzbar sei – Unternehmen müssten vor dem Einsatz klare Ziele definieren. Sven Porepp wies auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von Ingenieuren und Maschinenbedienern hin und prognostizierte Wettbewerbsvorteile für Stanzbetriebe, die KI zur Prozessoptimierung nutzen. Frank Strathoff ergänzte, dass die Skepsis der Mitarbeitenden mit zunehmender Praxis abnehme; Mario Trapp empfahl, LLMs als Tutoren einzusetzen.

Werkstoffe im Wandel

Dr. Benedikt Schauerte, thyssenkrupp Steel Europe AG, zeigte die Anforderungen der Elektromobilität an nicht-kornorientierte Elektroblechen: niedrigste Kernverluste, hohe Festigkeit und maximale Polarisierung bei Drehzahlen bis 20.000 U/min.

Dr. Nils Wulbieter, voestalpine High Performance Metals Deutschland GmbH, erläuterte anhand von fünf typischen Ausfallmechanismen in der Stanztechnik, wie Premium-Werkzeugstähle Standzeiten und Prozesssicherheit verbessern.

Der Vortrag von Michael Zeitz, Meusburger Georg GmbH & Co KG, beschloss den Kongress mit einem Überblick über pulvermetallurgische Stähle für Anwendungen mit hohen Anforderungen an die Druckfestigkeit

Deutsches Fußballmuseum

Traditionsgemäß bot der Kongress reichlich Raum für Austausch. Die Abendveranstaltung fand in der Multifunktionsarena des Deutschen Fußballmuseums statt – ein stimmungsvoller Rahmen für Networking.

Stimmen

Ralf Dürrwächter, Geschäftsführer VDWF: „Der Kongress hat im Terminkalender der Stanztechnikbranche einen festen Platz. Er ist in diesen schwierigen Zeiten eine großartige Veranstaltung, auf der Unternehmen miteinander statt übereinander sprechen. Außerdem konnten wir bei den Teilnehmern um Unterstützung für unsere Aufforderung an die Politik werben, Maßnahmen zur Rettung des Werkzeug- und Formenbaus zu ergreifen.“

Simon Gautschi, Leiter Entwicklung Steuerungstechnik, Bruderer AG: „Der Kongress ist eine sehr gehaltvolle Veranstaltung: Er gibt mir sehr gute Einblicke in viele Aspekte, die für mein Fachgebiet relevant sind. Und er schafft mit den wissenschaftlichen Vorträgen Ausblicke in die Zukunft. Neben dem Wissenstransfer ist die Begegnung mit Menschen wichtig, die mit unseren Stanzautomaten arbeiten, und der Austausch mit anderen Maschinenbauingenieuren.“

Philipp Niemietz, Geschäftsführer Pulse of Production: „Als Start-up sind wir das erste Mal dabei. Der gute Ruf der Veranstaltung in der Stanztechnikbranche war uns bekannt. Mit einem Stand und einem Vortrag konnten wir unser Start-up optimal präsentieren. Das Networking an den zwei Tagen und bei der Abendveranstaltung war bestens: top Gespräche, viele Anfragen von Maschinenherstellern und Werkzeugbauern. Als Informatiker fühle ich mich sehr freundschaftlich aufgenommen.“

Samuel Wolf, Geschäftsführender Gesellschafter vapic GmbH: „Ich bin zum zweiten Mal auf dem Kongress. Zum einen ist das Networking gut: hier erhalte ich viele Impulse, knüpfe Kontakte und habe dieses Jahr mehrere konkrete Projekte mit nach Hause genommen. Erstmals habe ich außerdem einen Vortrag gehalten, zu dem ich von vielen Seiten ein positives Feedback bekommen habe.“.

 

Info

Der nächste Kongress Stanztechnik findet am 19. und 20. April 2027 statt.

www.kongress-stanztechnik.de